Geistlicher Impuls 01.05.2022

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・01.05.2022

Geistlicher Impuls

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 

Psalm 130



Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir.

2 Herr, höre meine Stimme!
Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!
3 Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst -
Herr, wer wird bestehen?
4 Denn bei dir ist die Vergebung,
dass man dich fürchte.
5 Ich harre des HERRN, meine Seele harret,
und ich hoffe auf sein Wort.
6 Meine Seele wartet auf den Herrn,
mehr als die Wächter auf den Morgen.
Mehr als die Wächter auf den Morgen
7 hoffe Israel auf den HERRN!
Denn bei dem HERRN ist die Gnade
und viel Erlösung bei ihm.
8 Und er wird Israel erlösen
aus allen seinen Sünden.
Auch dieser Psalm gehört zu den Lieblingspsalmen unseres Kirchenvaters und auch diesen nimmt er als Grundlage für den Choral:

„Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen. Dein gnädig’ Ohren kehr zu mir und meiner Bitt sie öffne; denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist getan, wer kann, Herr, vor dir bleiben?“ (EG 299)

Ganz eng hält sich Luther in diesem Lied an die Psalmverse. In innerer und äußerer Not sieht der Psalmbeter die einzige Möglichkeit der Rettung, sich an seinen Gott zu wenden. In den Worten „aus tiefer Not“ zeigt sich die ganze Brisanz seiner Lage. Durch Sünde und Unrecht sieht er sich abgeschnitten von Gott und er weiß, nur Gott kann dieses Getrenntsein aufheben. So streckt er ihm voll Vertrauen seine leeren Hände entgegen. Die Tiefe von Schuld in der er zu stecken scheint, zeigt ihm umso mehr die Größe der göttlichen Gnade durch Vergebung, auf die er hofft. Doch diese Vergebung löst bei ihm Furcht, ja Ehrfurcht aus. So bleibt ihm nur, zu warten und zu hoffen. Der Glaube an die Vergebung ist ein wichtiger Grundpfeiler der zur Gottesfurcht führt. „Des muss dich fürchten jedermann und deiner Gnade leben“, schreibt Luther in der zweiten Liedstrophe. Gottes Güte und Gnade führt zur Buße und damit zur Umkehr. Auch Paulus nimmt in seinem Römerbrief diesen Sachverhalt auf. “Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ (Röm. 2,4) Das Schlussbekenntnis: „Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm. Und er wird Israel erlösen, aus allen seinen Sünden.“ Beruht auf der Heilszusage Gottes an sein Volk. Luther nimmt dies in seiner letzten Strophe mit folgenden Worten auf:

“Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade; sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen.“
Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden, unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn Dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg