Geistlicher Impuls 22.05.2022

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・22.05.2022

Geistlicher Impuls

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 

Psalm 103

Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes

14 Denn Gott weiß, was für Geschöpfe wir sind.

Er denkt daran, dass wir nur aus Staub bestehen.

 

15 Der Mensch ist so vergänglich wie das Gras,

er blüht wie eine Blume auf dem Feld.

 

16 Wenn der Wind über sie hinwegfegt, ist sie dahin.

Wo sie gestanden hat, bleibt keine Spur von ihr.

 

17 Doch die Güte des Herrn bleibt bestehen,

von Anfang an bis in alle Zukunft.

Sie bleibt bei denen, die zu ihm gehören,

und seine Gerechtigkeit bei den Kindern und Enkeln.

 

18 Sie gilt denen, die an seinem Bund festhalten,

an seine Gebote denken und danach handeln.

 

19 Der Herr hat im Himmel seinen Thron aufgestellt.

Als König herrscht er über die ganze Welt.

 

20 Lobt den Herrn, ihr dienstbaren Engel –

ihr starken Helden, die sein Wort ausführen

und seine Befehle entgegennehmen!

 

21 Lobt den Herrn, ihr himmlischen Heere –

ihr treuen Diener, die seinen Willen tun!

 

22 Lobt den Herrn, ihr alle, die er geschaffen hat –

an allen Orten, die seine Herrschaft umfasst!

Lobe den Herrn, meine Seele!

 

Mit sehr eindringlichen Worten weist der Beter im zweiten Teil des Psalms auf unsere Vergänglichkeit hin. „Gott denkt daran, dass wir nur aus Staub bestehen. Der Mensch ist so vergänglich wie das Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Feld. Wenn der Wind über sie hinwegfegt, ist sie dahin“. Ganz schön deutliche ernüchternde Worte.

In der Schöpfungsgeschichte heißt es von Adam: „Da machte Gott den Menschen aus der Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase, und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (Genesis 2, 7)  Man ist sofort an die liturgischen Worte erinnert: „Von der Erde bist du genommen und zur Erde wirst du wieder werden“. Tröstlich zu wissen, dass sich der Schöpfer seiner Kreatur erbarmt; darin besteht das Wunder seiner Gnade. Als Geschenk von Gott hat der vergängliche Mensch Anteil an der ewigen Gnade Gottes, wenn er an seinem Bund festhält, seine Gebote befolgt und sein Leben danach ausrichtet. (18)

 

Wunderbar ist die Zusage: “Die Güte des Herrn bleibt bestehen, von Anfang an bis in alle Zukunft. Sie bleibt bei denen, die zu ihm gehören und seine Gerechtigkeit bei den Kindern und Enkeln“. Diese Güte und Gnade durchziehen die Generationen. Niemand, der sich daran orientiert wird ausgegrenzt oder ausgeschlossen.

Der Psalmist ist so erfüllt und geradezu euphorisch von diesem Wissen, dass in den letzten Versen Zeit und Raum aufgehoben sind durch die Gegenwart des allmächtigen Gottes. Er sieht die Vergänglichkeit, die aufgehoben ist in Gott. Er sieht Gott auf seinem Thron im Himmel sitzen, umgeben von seinen Engeln, dem Heer der himmlischen Heerscharen. Es erinnert uns an Jesaja, der im Gesang der Engel gehört hat:      „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.“ (Jesaja 6,3)

So fordert uns der Psalmbeter gleich in seinem ersten Vers dazu auf, die Seele in diesem wunderbaren Kontext der Ewigkeit zu sehen und einzuordnen.

 

Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden, unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn Dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg