Geistlicher Impuls 11.09.2022

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・11.09.2022

Geistlicher Impuls

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 

Prediger/ Kohelet 1, ff

Alles ist eitel

1 Dies sind die Reden des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs zu Jerusalem.

2 Eitelkeit der Eitelkeiten, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.

3 Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?

4 Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen.

5 Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie dort wieder aufgehe.

6 Der Wind geht nach Süden und dreht sich nach Norden und wieder herum an den Ort, wo er anfing.

7 Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, dahin sie fließen, fließen sie immer wieder.

8 Alles Reden ist so voll Mühe, dass niemand damit zu Ende kommt. Das Auge sieht sich niemals satt, und das Ohr hört sich niemals satt.

9 Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne.

10 Geschieht etwas, von dem man sagen könnte: "Sieh, das ist neu!" - Es ist längst zuvor auch geschehen in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.

11 Man gedenkt derer nicht, die früher gewesen sind, und derer, die hernach kommen; man wird auch ihrer nicht gedenken bei denen, die noch später sein werden.

Gleich zu Beginn im 2.Vers werden wir auf die Hauptbotschaft des Predigers eingestimmt. Es ist wie ein vorangestelltes Leitwort bzw. Leitmotiv.

„Eitelkeit der Eitelkeiten,“ sprach der Prediger, „es ist alles ganz eitel.“

 

Danach folgt der Prolog (3 -11), den man unter die Überschrift stellen kann „Nichts Neues unter der Sonne“. Er beginnt mit der rhetorischen Frage, welchen Gewinn und Wert das Leben bieten kann.

Jetzt würden wir als treue Impulsleser, geprägt vom Evangelium, der guten Botschaft, erwarten, dass nun Beispiele für ein gutes Leben folgen. Aber weit gefehlt. Jetzt kommt das unglaublich Erstaunliche und völlig Unverhoffte, es werden nur negative Beispiele genannt: Als erstes wird uns die Vergeblichkeit des Lebens mit dem Hinweis auf den Generationenwechsel vor Augen geführt, der ohne große Auswirkung ist im Gegensatz zur Erde, die Bestand hat. Um seine Aussage zu untermauern, verweist er auf die Natur-elemente: Die Sonne geht jeden Tag im Osten auf und im Westen unter. Eigentlich ist das doch etwas Tröstliches, aber für ihn geschieht nichts Neues, also ist es sinnlos.  Dasselbe sagt er vom Wind, der immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Als letztes Naturphänomen führt er das Wasser an. Auch der Mensch dient ihm als Beispiel der Unzulänglichkeiten des Lebens. Wenn er sich einbildet etwas völlige Neues geschaffen zu haben, muss er feststellen, das gab es schon. „Man muss das Rad also nicht immer wieder neu erfinden“, sondern kann aus den Erfahrungen vergangener Generationen durchaus lernen.“

Der Prolog gibt uns auf erstaunliche Weise eine sehr negative Lebenssicht. Im Leben des Menschen und der Natur verändert sich nichts. Das Handeln des Menschen bleibt über die Generationen gleich. Das kommt auch in dem Sprichwort zum Ausdruck: „Der Mensch lernt nichts aus der Geschichte.“ Wie wahr ist doch diese Aussage angesichts der derzeitigen weltpolitischen Lage.  

So steht der Prolog im krassen Gegensatz zur Grundeinstellen des Alten Testaments,“ der den Glauben bewusst auf die Geschichte mit ihren einmaligen Begebenheiten baut und eine neu Ära, die Heilszeit, durch einen vollständigen göttlichen Umbruch erwartet.  (Aarre Lauha – Kohelet.) 

Man könnte sagen, beim Prediger ist das Glas immer halb leer. Ich finde es sehr erstaunlich, dass diesem Thema der Nichtigkeit ein ganzes Buch in der heiligen Schrift gewidmet ist und man sich so diesem nicht einfachen Thema stellt.

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden, unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn Dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg