Geistlicher Impuls, 10. Sonntag nach Trinitatis

Bild 16.08.2020

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 10. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für den Geistlicher Impuls, 10. Sonntag nach Trinitatis senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Lied 321 Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan. Der ewig reiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort. Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.
(Text und Melodie: Martin Rinckart; um 1630)

Dieses ökumenische Lied nimmt mich gefangen durch Text und die eingängige Melodie. Es holt mich heraus aus dem, was mir vielleicht gerade Sorge bereitet. Nicht das jetzt alles sofort gelöst wäre, sondern meine Gedanken und Gefühle kreisen nicht mehr nur um mich. Mein Blick weitet sich und ich empfinde eine Atempause, um neu Kraft schöpfen zu können.
Singen gerade im Kreise von vielen Menschen hat etwas Befreiendes und Berührendes. Seit Jahrhundert wird dieses Lied gesungen und immer wieder bei ganz besonderen Anlässen ausgewählt. So auch 1989 bei der Maueröffnung, wo Menschen aus Ost und West in dieses Lied eingestimmt haben. Dieser Aufruf nun danket alle Gott kommt aus dem tiefsten Innern des Menschen und betrifft ihn in seiner Ganzheit – mit Herzen Mund und Händen. Man dankt mit allen Fasern seines Wesens. So kann man eigentlich nur staunen, wenn man auf das Leben zurückblickt, was Gott alles an Gutem im Leben bewirkt hat und immer wieder bewirkt. Dieses Lied lenkt unseren Blick durch den Dank sowohl zurück, aber auch gleichzeitig nach vor. So lesen wir im Psalm 92, 2, wie wichtig der Dank in und für unser Leben ist. „Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn zu danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster „Aus dieser Grundhaltung heraus bekommen wir ein fröhliches Herz und inneren Frieden."
Auch aus dem Wissen heraus, dass Gott uns seine Gnade schenkt und uns in schwierigen Situationen zu Seite steht. Sei es durch ein Gotteswort oder einen Menschen, den er uns zur Seite stellt.
So führt uns die erste Strophe den Dank als allumfassendes Lebensgefühl und die zweite Strophe die Auswirkungen dieses Dankes vor Augen So kann man eigentlich in der dritten Strohe nur in den Lobpreis des dreieinigen Gottes einstimmen, der unverändert ist und bleibt in seiner Zugewandtheit und Treue zu uns Menschen.
Deshalb können wir einstimmen in diesen Aufruf und ihn in uns wirken lassen.
„Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen.“
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
„Die Musik verjagt den Teufel und macht die Menschen fröhlich“,
meinte einst Martin Luther. Im Leben des Reformators spielte Musik die zweite Hauptrolle – gleich nach der Theologie. Er hatte eine klangvolle Stimme und sang leidenschaftlich gern. Der Nürnberger Meistersinger Hans Sachs nannte ihn die „Wittenbergische Nachtigall“.
Singen bildet Gemeinschaft. Das gemeinsame Singen und Musizieren sind bis heute ein besonders lebendiger und attraktiver Teil des evangelischen Gemeindelebens. Auch Martin Luther wusste um die Bedeutung der Musik für Glaube und Gemüt. Diese Bedeutung erkennen wir z. B. auch in vielen Redensarten: „Der Ton macht die Musik“, „Etwas ausposaunen“ oder „Ein paar Takte miteinander reden“.
Das Singen war für Martin Luther eine direkte Methode, Glaubenstexte zu verinnerlichen. Luther selbst textete und komponierte. Er hat Psalmen umgedichtet und vertont, altkirchliche Hymnen ins Deutsche übertragen, biblische Erzähllieder geschrieben und geistliche Kinderlieder verfasst. Nach unterschiedlichen Zählungen sind zwischen 36 und 45 Liedtexte und mindestens 20 Melodien von ihm erhalten. Seine Lieder sind Klassiker wie „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, „Aus tiefster Not schrei ich zu dir“ und „Eine feste Burg ist unser Gott“.
„Wer singt, betet doppelt“ - dieser Satz wird schon dem alten Kirchenvater Augustinus zugeschrieben, auch Luther soll ihn geäußert haben. Und irgendwie ist ja auch was dran: Singen, das ist was fürs Herz. Das macht gute Laune. Das berührt die Seele. Und: Es bleibt etwas hängen. Texte prägen sich ein, Lieder werden zum Ohrwurm. Martin Luther wusste das und hat seine wichtigsten Botschaften in Lieder verpackt – die Menschen haben die Lieder gerne weiterverbreitet, mit Spaß und Inbrunst gesungen und nebenbei etwas über den Glauben gelernt.
Möge unsere Musik alle Teufel vertreiben, uns im Glauben stärken, unsere Seelen fröhlich machen und Gott die Ehre geben.

Bleiben Sie alle gesund und behütet!
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg