Geistlicher Impuls, 13. Sonntag nach Trinitatis

06.09.2020

06.09.2020

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 13. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für den Geistlicher Impuls, 13. Sonntag nach Trinitatis senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Lukas 10,25-37 25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? 27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« (5.Mose 6,5; 3.Mose 19,18). 28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. 29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. 31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. 32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen.
Vielen ist dieses Gleichnis Jesu präsent, weil es so einprägsam erzählt ist. Jesus verweist den Schriftgelehrten, der ihn auf die Probe stellen möchte ganz sachlich auf das Doppelgebot der Liebe. Und er veranschaulicht es durch das Verhalten des Samariters. Die Juden und Samariter, die keine Freundschaft verband, sind sich eigentlich aus dem Weg gegangen. Umso erstaunlicher ist es, dass gerade nicht die eigenen Leute dem Überfallenen helfen, sondern dieser Samariter, der dazu eigentlich überhaupt keinen Anlass gehabt hätte. Und gerade er hilft dem Überfallen, leistet erste Hilfe und bringt ihn nicht nur zu einer Herberge, sondern er bezahlt auch noch für die Unterkunft und ist darüber hinaus bereit, noch mehr zu bezahlen, wenn es nötig sein sollte. Die Frage Jesu, wer von den Dreien der Nächste gewesen ist, trifft den Schriftgelehrten. Die Antwort „Der Samariter“ scheint ihm fast nicht über die Lippen zu wollen. „Der, der ihn barmherzig behandelt hat.“ Darauf macht Jesus unmissverständlich klar, was er ihm vermitteln möchte, indem er ihn auffordert: „Geh und mach es auch so.“ Was für eine wirkungsvolle Lehrmethode! Hätte Jesus dem Mann einfach gesagt, dass auch Nichtjuden seine Mitmenschen sind, dann hätten er und andere Juden das wahrscheinlich nicht akzeptiert. Doch durch die einfache Geschichte mit Einzelheiten, die den Zuhörern vertraut sind, wird die Antwort auf die Frage „Wer ist denn eigentlich mein Mitmensch?“ offensichtlich: Als wahrer Mitmensch erweist sich derjenige, der sich gütig und liebevoll verhält, so wie es Gottes Wort vorschreibt. Denn jeder der wirklich und existentiell meine Hilfe braucht, ist mein Nächster. Wichtig dabei ist es, beide Aussagen gleich zu bewerten. Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Sich selbst über der Hilfestellung für andere nicht zu vergessen und nicht zu vernachlässigen. Das eine ist genauso wichtig wie das andere, weil wir Gott alle in gleicher Weise wichtig sind und wertvoll. Wir alle sind Ebenbild Gottes, deshalb: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie Dich selbst.“
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
„Jesus sagt im Matthäusevangelium: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Mt 25,40, Wochenspruch für den 13. So. n. Trinitatis),
Mit dem Wort „geringster“ oder „kleinster“ spricht Jesus nicht über den Menschen oder seine Stellung, eher über die Größe der Tat. Nicht zu großen ruhmreichen Taten, die guten Stoff für eine gelungene Biographie ergeben würden. Nein, vielmehr zu den kleinen Dingen, die wir für unsere Mitmenschen tun können. Es gilt die Angelegenheiten des Alltags anzugreifen. Er ermutigt zur Tat. Die Nächstenliebe, die wir theoretisch alle kennen, Praxis werden zu lassen. Die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. Wir brauchen in unseren Kirchen, Einrichtungen und Diensten Menschen, die den Glauben mit den Händen leben. Dem nörgelnden Nachbarn helfen die Hecke zu schneiden, der erkrankten Nachbarin Einkäufe abnehmen und ins Haus bringen… So kann der Glaube mit den Händen weitergegeben werden. Durch eine freundliche Geste. Sie kostet nicht viel, ist aber viel wert! Ja, es gehört Mut und Überwindung dazu, einem unfreundlichen Menschen etwas Gutes zu tun. Mal sehen, wem wir in dieser Woche zum Nächsten werden. Lassen wir uns von uns selbst und unseren Herzen überraschen: …Vielleicht nehme ich mir Zeit für eine Freundin/einen Freund, vielleicht helfe ich jemandem, der mich gerade braucht. Viel kann geschehen, wenn ich die Augen öffne und mein Herz weit mache.

Bleiben Sie alle gesund und behütet!
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg