Geistlicher Impuls, 10. Sonntag nach Trinitatis

Lasset uns beten

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 10. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
369 Wer nur den lieben Gott lässt walten

1. Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

2. Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei; wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wir’s uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn.

5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze, dass du von Gott verlassen seist und dass ihm der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel.

6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen und ist dem Höchsten alles gleich: den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Gott ist der rechte Wundermann, der bald erhöhn, bald stürzen kann.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht .
Dieses Lied hat eine unglaubliche Wirkung und Aktualität bis heute. Sehr klar und nüchtern wird hier das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen mit all den Schwierigkeiten, das es bereithält, angesprochen. Auf der anderen Seit aber auch mit einer tiefen Hoffnung, ja Gewissheit, dass Gott über unser Leben wacht und uns auf allen Lebenswegen begleitet. Hier kommen die Worte aus dem Petrusbrief zum Tragen: „All eure Sorge werfet auf ihn, er wird es wohl machen.“ Ebenso erinnert es an die Bergpredigt, in der Jesus das Bild der Lilien auf dem Felde und der Vögel unter dem Himmel vor Augen führt, die sich nicht zu sorgen brauchen und dennoch von Gott versorgt werden. So kann Georg Neumark auf diesem Hintergrund aus vollem Herzen sagen. Was helfen uns die schweren Sorgen …. wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. Er hat selbst in seinem jungen Leben erfahren, dass Gott sowohl erhöhen als auch stürzen kann. Darum liegt es ihm am Herzen zu ermutigen, seinen Blick nach oben zu richten und sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig und hilfreich ist. Er rät mit tiefem Gottvertrauen

“Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“

Dieses Lied schrieb niemand, der schon ein langes Leben mit vielen Erfahrungen hinter sich hatte, sondern ein 20-jähriger Student, der sein Leben noch vor sich hatte. Georg Neumark hat dieses wertvolle Lied als junger Mensch im 30jährigen Krieg geschrieben, das bis heut für viele Menschen segensreich und stärkend ist. Eine 100jährige Bewohnerin sagte zu mir: „Dieses Lied hat mich durch mein Leben getragen und ist bis heute das Gebet, mit dem ich den Tag beginne .“
Möge dieses Lied auch für uns Stärkung, Tröstung und Hoffnung für unser Leben sein.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg