Geistlicher Impuls, 12. Sonntag nach Trinitatis

Lasset uns gemeinsam beten

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 12. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
302 Du meine Seele, singe.

1. Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

3. Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht; das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht: der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, der Fisch unzähl'ge Herde im großen wilden Meer.

4. Hier sind die treuen Sinnen, die niemand Unrecht tun, all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn. Gott hält sein Wort mit Freuden, und was er spricht, geschicht; und wer Gewalt muss leiden, den schützt er im Gericht.

5. Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl; und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.

6. Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht'. Er liebet alle Frommen, und die ihm günstig sind, die finden, wenn sie kommen, an ihm den besten Freund.

7. Er ist der Fremden Hütte, die Waisen nimmt er an, erfüllt der Witwen Bitte, wird selbst ihr Trost und Mann. Die aber, die ihn hassen, bezahlet er mit Grimm, ihr Haus und wo sie saßen, das wirft er um und um.

8. Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm; der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ist's billig, dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.

Paul Gerhardt 1653
In seinen 130 Liedern, die auf dem Hintergrund des schrecklichen Dreißigjährigen Kriegs geschrieben sind, kommt immer das unglaubliche Gottvertrauen und die tiefe Erfahrung, dass Gott in allen Lebenslagen präsent, ist zum Ausdruck.
Als Vorlage dienen Paul Gerhardt die Psamen. In diesem Lied ist es der 147. Psalm. Paul Gerhardt liebte die Psalmen sehr. Er nannte sie „das Gebetbuch der Bibel“ und nahm sie gern als Anregung für seine Lieder. So kommt er gleich zu Beginn zu der Erkenntnis, dass wir Gott immer loben und danken dürfen auch und gerade dann, wenn es uns schwer ums Herz ist. Paul Gerhardt hatte in seinem Leben oft Grund zu verzeifeln, er erlebte Situationen, in denen ihm das Lob Gottes regelrecht im Halse stecken blieb. Er musste miterleben, dass viele seiner Mitschüler an der Pest starben, er erlebte die Wirren des Dreißjährigen Krieges, in dem sein Elternhaus zerstört wurde. Er sah vier seiner fünf Kinder sterben und verlor durch einen Streit mit dem Landesfürsten sein Amt. Wenn man auf das Leben von Paul Gerhardt schaut, bekommt man tiefen Respekt und Achtung, dass er trotzdem so hoffungsvoll und verheißungsvoll auf die unverbrüchliche Treue Gottes schaut.
Vielleicht hat ihn dieses Gottvertrauen, dieses Gotteslob, dieses Schauen und sein Vertrauen in Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, davor bewahrt, in tiefe Verzeifung und Hoffnunslosigkeit zu verfallen. Er zeigt in seinem Lied die Macht und Kraft Gottes auf im Leben derer, die ihm vertrauen. Gott steht auf der Seite der Menschen, die seine Hilfe brauchen, die ihn anrufen. „Rufe mich an in der Not“, heißt es im Psalm „so will ich dich erretten und du sollst mich preisen“. ( Ps. 50,15)
Nehmen wir den Zuruf und die Aufforderung Paul Gerhardts auf, damit das Lob Gottes in aller Welt erklingen kann.

Du meine Seele singe wohlauf und singe schön.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg