Geistlicher Impuls, 14. Sonntag nach Trinitatis

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 14. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Es gibt Tage im Leben, da liegt uns das Klagen, Jammern und Schimpfen näherer als alles andere – alles scheint schief zu gehen. Wir sind manchmal Weltmeister im Schwarzsehen. Auch unser Bundespräsident hat in seiner diesjährigen Osterrede darauf hingewiesen: „Wir zweifeln viel, aber wir können auch viel. Und aufs Können, nicht aufs Zweifeln, kommt es jetzt an.“ Im Wochenspruch für den 14. Sonntag nach Trinitatis heißt es:

„Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.” (Ps 103,2)

Der Psalm erinnert uns daran, nicht zu vergessen, worauf es in unserem Leben wirklich ankommt, nämlich: nicht zu vergessen, was Gott uns Gutes getan hat.

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss das Gute in deinem Leben nicht. Es kommt von Gott!

Dankbarkeit ist auch eine Sache des Rückblicks. Bewusst zurückzublicken auf das Leben und die Erlebnisse mit Gott eröffnet uns die Möglichkeit, bewusst dankbar zu werden.

Natürlich, in den guten Phasen des Lebens, fällt uns das Danken eigentlich leicht. Aber was ist in den “schlechten” Zeit? Es gibt Dinge, die sind schlimm, zum Teil unerträglich schlimm. Gelingt es uns dann, mit Bonhoeffer zu beten?

„Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.“
(Dietrich Bonhoeffer, Von guten Mächten, in seinem Brief an Maria von Wedemeyer aus dem Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamts in Berlin, Prinz-Albrecht-Straße, 19. Dezember 1944.)

Es ist eine Entscheidung, ob wir auch in den schweren Zeiten des Lebens Gott danken wollen. Das ist nicht leicht und ich denke, dass Gott durchaus Verständnis hat, wenn es uns manchmal zu schwer, ja unmöglich ist, zu danken. Es hilft uns aber und ich halte es für wichtig, wenn wir den Entschluss treffen, auch in solchen Phasen dankbar sein zu wollen, ob man es gerade kann oder nicht…

Friedrich von Bodelschwingh hat einmal gesagt:
„Es sollte unter uns jeden Tag eine Klage weniger und dafür einen Lobgesang mehr geben.“

Also: vergessen wir die guten und schönen Ereignisse des Lebens nicht. Aus dem Lob Gottes entstehen die Taten von uns Menschen, die nicht den Stachel des Bösen in sich tragen.
Wer Gott loben kann, der lebt auf.
Lied: 289 Nun lob, mein Seel, den Herren
289:1 Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein. Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein. Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß, errett' dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich; der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.

289:2 Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht, dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht; sein' Zorn lässt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld, die Gnad tut er nicht sparen, den Schwachen ist er hold; sein Güt ist hoch erhaben ob den', die fürchten ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin.

289:5 Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und Heilgem Geist! Der wolle in uns mehren, was er aus Gnaden uns verheißt, dass wir ihm fest vertrauen, uns gründen ganz auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, dass unser Mut und Sinn ihm allezeit anhangen. Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werden's erlangen, glaubn wir von Herzensgrund.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg