Geistlicher Impuls 17.04.2022

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・17.04.2022

Geistlicher Impuls

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 

(Psalm 118, 14-24)



14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!
16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.
18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.
20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.
21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.
22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.
23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
Psalm 118 – ein Psalm, der in Teilen oft zitiert wird. Ein beliebtes Tischgebet stammt daraus: „Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. (V.1) Oder der oft gebrauchte Gebetsseufzer: „O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!“ (V.25) Und schließlich der Gruß, der uns von hohen Festtagen bekannt ist: „Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ (V.24)

Psalm 118 war der Lieblingspsalm von Martin Luther. Er schrieb, Psalm 118 hat mir oft „aus manchen großen Nöten geholfen, wo sonst kein Kaiser und keine Könige, Weisen, Klugen oder Heiligen hätten helfen können“. Als Martin Luther und dem Reichsbann stand und auf der Veste Coburg Zuflucht gesucht hatte und er in quälender Ungewissheit lebte, soll er mit Kreide an die Wand seines Zimmers den Vers 17 geschrieben haben: „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.“

Traditionell wird dieser Psalm zu Ostern gebetet, weil die Elemente der Auferstehung in den Worten „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen“ zur zentralen Osterbotschaft passen. Das Ostergeschehen sprengt alles, was wir uns mit unserem menschlichen Verstand und mit unserem menschlichen Herz vorstellen können.

Neben der Lebensgewissheit finden sich in Psalm 118 auch Angst und Enge, Todesangst und Bedrängnis. Angst und Enge haben derzeit viele Menschen gepackt. Angst vor Gewalt, Terror und Krieg. Und diese Angst macht es eng im Denken und auch im Tun. Es kommt nun darauf an, diese Ängste nicht zu bedienen. Sie sollen uns in unserem Handeln nicht bestimmen oder gar lähmen. Sondern wir trauen dem Gott des Lebens viel zu: „Ich werde nicht sterben, sondern leben.“

Haben wir nicht immer wieder auch die Erfahrung machen können, dass Gott Menschen aus Angst, Enge und Beschwerlichkeit ins Weite führen kann? Hinein in einen Freiraum der Freiheit, in einem Lebensraum der Entfaltung, in einen Schutzraum der Geborgenheit. Der Psalm lädt uns ein, auf Gottes Güte, Lebenswillen und Lebenskraft zu vertrauen, die Angst in Weite, Böses in Gutes, Tod in Leben verwandeln kann. Möge Gott es schenken, dass wir so gestärkt aus der Osterzeit ins Leben gehen mit der trotzigen Zuversicht und dem Vertrauen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.“
Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden, unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn Dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg