Geistlicher Impuls, 17. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 17. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
EG 450 Morgenglanz der Ewigkeit

1. Morgenglanz der Ewigkeit,
Licht vom unerschaffnen Lichte,
schick uns diese Morgenzeit
deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht
unsre Nacht.

2. Deiner Güte Morgentau
fall auf unser matt Gewissen;
lass die dürre Lebens-Au
lauter süßen Trost genießen
und erquick uns, deine Schar,
immerdar.

3. Gib, dass deiner Liebe Glut
unsre kalten Werke töte,
und erweck uns Herz und Mut
bei entstandner Morgenröte,
dass wir, eh wir gar vergehn,
recht aufstehn.

4. Ach du Aufgang aus der Höh,a
gib, dass auch am Jüngsten Tage
unser Leib verklärt ersteh
und, entfernt von aller Plage,
sich auf jener Freudenbahn
freuen kann.

a) Lukas 1,78
5. Leucht uns selbst in jener Welt,
du verklärte Gnadensonne;
führ uns durch das Tränenfeld
in das Land der süßen Wonne,
da die Lust, die uns erhöht,
nie vergeht.

Text: Christian Knorr von Rosenroth (1654) 1684, teilweise nach Martin Opitz 163
Melodie: Johann Rudolf Ahle 1662, Halle 1708
Es ist ein unglaublicher Schatz, den wir an Liedern den wir in unserem Gesangbuch haben. Viele Lieder kennen wir, so zum Beispiel die Lieder an Festtagen wie Ostern und Weihnachten. Viele Lieder sind leider nicht so bekannt , obwohl sie sehr eindrucksvoll und bereichend sind, wie das Lied: „Morgenglanz der Ewigkeit“.

Wer von uns hat nicht schon einmal eine aufgehende Sonne beobachten können und war davon sehr berührt . Ich habe dieses Jahr viele Urlaubsbilder bekommen, besonders mit wunderbaren Sonnenauf- und -untergängen. Ein Freund schrieb, es hat ihn in diesem Jahr besonders berührt, gerade nach dem letzten schwierigen Jahr. Er hat es als besondere Ermutigung erlebt. Auch dieses Lied mit diesen besonder Bildern vom Licht , dem Morgenglanz, der Morgendämmerung ist sehr berührend und ermutigend. Dieses Licht kann die Finsternis der Sorgen und Nöte beleuchten und vertreiben, es wird uns aus dem Tränental dieses Lebens , den Weg ins das Licht Gottes zeigen:
„ Führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süßen Wonne“

Der Liederdichter Knorr von Rosenroth schreibt in poetischen Bildern. Er wurde 1636 geboren, wuchs in einem Pfarrhaus in Schlesien auf und studierte Theologie, Jura, Geschichte, Philosophie, klassische und moderne Sprachen. Er war vielseitiger Forscher, Alchimist und Dichter. Er wohnte wohl eine Zeit lang in Wittenberg, reiste aber viel. Er war mit Susanna Baumgartner verheiratet und hatte 4 Kinder von denen zwei sehr früh verstarben. Er selbst starb 1689.

Dieses Lied ermutigt zu eine tiefen Zuversicht, es zeigt den Weg durch das Tränenfeld zum Licht, in jene Welt das am Ende des Lebens und zu Gott führt:
„Führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süßen Wonne“

Strophe für Strophe bringt dieses Lied vom Morgenglanz der aufgehenden Sonne hin zu Gott . In seinem Licht, das nie vergeht, seine Freudenbahn wird uns vor Augen geführt . Alles Leid, aller Schmerz, alles Schwere, alle Tränen dürfen wir hinter uns lassen. In der Offenbarung wird von neuen Himmel und der neuen Erde gesprochen, auf die wir zugehen.

Christion Knorr von Rosenroth würde sagen: „Darauf gehen wir zu und haben ein Abbild im Morgenglanz, dem Morgentau und der Morgenröte.“
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg