Geistlicher Impuls, 18. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 18. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
508 Wir pflügen und wir streuen

1. Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
Der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.

Kehrvers
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!
Jakobus 1,17
Der Kehrvers wird nach jeder Strophe wiederholt.

2. Er sendet Tau und Regen
und Sonn- und Mondenschein,
er wickelt seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behände
in unser Feld und Brot:
Es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.

3. Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter
und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.

4. Er lässt die Sonn aufgehen,
er stellt des Mondes Lauf;
er lässt die Winde wehen
und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude,
er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide
und unsern Kindern Brot.

Text: nach Matthias Claudius 1783
Matthias Claudius ist vielen vor allem bekannt durch sein Abendlied: „Der Mond ist aufgegangen“ (EG 482), das er 1779 geschrieben hat. Das uns als Erntedanklied vertraute: „Wir pflügen und wie streuen“ stammt aus dem Jahre 1783.

Matthias Claudius wurde am 15. August 1740 als Sohn des Pfarrers Matthias Claudius in Reinfeld geboren. Er besuchte die Lateinschule, studierte von 1759 bis 1762 Theologie auch Jura, Rechts- und Verwaltungswissenschaft sowie Philosophie, aber ohne Examen. Während der Studienzeit entdeckte er seine Liebe zur Literatur und versuchte sich als Autor:
1765 wurde er Sekretär beim Grafen Holstein in Kopenhagen. Im Sommer 1768 dann Mitarbeiter bei den "Hamburger Adreßkomptoir-Nachrichten". Seine Aufgabe bestand im Sammeln von Börsenberichten und Verfassen von Meldungen über ankommende Schiffe. In dieser Zeit lernte er sowohl Gotthold-Ephraim Lessing als auch Johann Gottfried Herder kennen.
1771 wurde Claudius Redakteur für den "Wandsbecker Bothen". Persönlichkeiten wie Goethe, Lessing und Herder schrieben für den "Boten", der während dieser Zeit. So wurde sie zu einer der bekanntesten Zeitungen in Deutschland. In Wandsbek lernte Claudius Anna Rebecca Behn kennen, die er 1772 heiratete. Sie hatten elf Kinder, von denen mehrere jedoch bereits in jungen Jahren starben. Dieses frühe Sterben der Kinder prägte ihn nachhaltig. Seine letzten Lebensmonate verbrachte Claudius in Hamburg und starb am 21. Januar 1815 in Hamburg. Die Gräber befinden sich noch heute auf dem Friedhof der Wandsbeker Christuskirche.
Claudius hat in seinem „Bauernlied und Erntelied „in seinem Refrain seine Intension vorgegeben, nämlich den Dank „drum dankt ihm dankt, drum dankt ihn dankt und hofft auf ihn“. Im Dank steckt eine große Kraft und ein Wissen, wem wir etwas verdanken. So sprechen wir am Erntedanktag Gott expliziert einen großen Dank aus, und schauen zurück auf das vergangene Jahr und was Gott uns alles geschenkt hat und gleichzeitig schauen wir nach vor, indem wir auf Gott weiterhin hoffen, auf sein Wirken in und für unsere Natur. Wir können nur säen, aber für Wachstum und Gedeihen sorgt er! Jeder der sich aktiv mit der Natur befasst, weiß wie elementar wichtig Tau und Re-gen, Sonne und Mond sind. Sehr poetisch umschreibt er deren Bedeutung: „Er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein.“ Die Ernte geht zwar durch unsere Menschenhände, aber alles hat seinen Ursprung in Gott. In seiner 3. und 4. Strophe hat er eine Kurzfassung der Schöpfung formuliert.
Man kann sagen, dass Mathias Claudius hier ein sehr eindrucksvolles Danklied geschrieben hat, indem er alle wichtigen Aspekte der Schöpfung, die Gott uns zur Verfügung gestellt hat, in eindrucksvollen Bildern beschrieb. Erst einige Zeit später hat dieses Lied seinen Platz im Gottesdienst gefunden.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg