Geistlicher Impuls, 19. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 19. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Weißt du, wieviel Sternlein stehen?

1) Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wolken gehen
weithin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl,
an der ganzen großen Zahl.

2) Weißt du, wie viel Mücklein spielen
in der heißen Sonnenglut,
wie viel Fischlein auch sich kühlen
in der hellen Wasserflut?
Gott der Herr rief sie mit Namen,
dass sie all ins Leben kamen,
dass sie nun so fröhlich sind,
dass sie nun so fröhlich sind.

3) Weißt du, wie viel Kinder frühe
stehn aus ihrem Bettlein auf,
dass sie ohne Sorg und Mühe
fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen
seine Lust, sein Wohlgefallen;
kennt auch dich und hat dich lieb,
kennt auch dich und hat dich lieb.

Text: Wilhelm Hey, 1837
Es gibt Lieder, da werden sofort Erinnerungen wach. Für mich verband sich z.B. das Öffnen der Türchen meines Adventskalenders unbewusst mit dem Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Tür und Tor, das waren dann meine Adventskalendertürchen.
In meiner Erinnerung gehen weitere Türen auf… „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“ – meine Mutter, meine Großmutter haben es mir vorgesungen. Es ist ein Lied für den Abend, wenn es dunkel geworden ist und nur noch ein Nachlicht brennt.

"Weißt du, wie viel Sternlein stehen?" ist ein deutschsprachiges Volkslied und steht auch in unserem Gesangbuch (EG 511). Der Text stammt von Wilhelm Hey, Pfarrer in Gotha (Thüringen) und wurde erstmals 1837 veröffentlicht. Bei Wilhelm Hey hieß es noch „Weißt du, wieviel Sterne stehen?“. Wahrscheinlich sind die Sternlein aus einem bekannten Abendlied eingewandert. Bei Matthias Claudius heißt es: „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen, am Himmel hell und klar.“
Hinter der (vermeintlich) naiven und etwas verniedlichenden Sprache und Melodie vertritt dieses Kinderlied durchaus anspruchsvolle Gedanken, geht es doch darum, Gottes Größe mit seiner Fürsorge für das Kleine und die Kleinen zusammenzudenken. Damit eignet sich das Lied auch als Tauflied.
Wilhelm Hey hat unübersehbar den Text aus Jesaja 40,26 in sein Leid eingeflochten: „Seht doch nur in die Höhe! Wer hat die Sterne da oben geschaffen? Er lässt sie alle aufmarschieren, das ganze unermessliche Heer. Jeden Stern ruft er einzeln mit Namen, und keiner bleibt fern, wenn er, der Mächtige und Gewaltige, ruft.“
„Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“ – Jede Strophe beginnt mit einer Frage. Die Fragen stoßen uns und unsere Gedanken an, hinter die Sterne zu schauen und weiter als die Wolken. Die Fragen des Liedes fordern unsere menschliche Vorstellungskraft heraus. Wir wissen eben nicht, wieviel Sterne es im Universum gibt. Auch die Zahl der Mücken und Kinder kennen wir nicht. Wer so fragt, macht sich bewusst, was er kann und was nicht. – Gott allerdings kann das. Er weiß das alles, weil er größer ist, weil er Anfang und Ziel von allem ist. Gott kennt jeden Stern und jede Wolke. Gott kennt jede Mücke und jeden Fisch beim Namen. In der 3. Strophe geht es um die Menschen, genau genommen und die kleinen Menschen: die Kin-der. Jedes einzelne Kind wird angesprochen. Gott im Himmel „kennt auch dich und hat dich lieb“.

Alle drei Strophen beinhalten eine schlichte theologische Wahrheit. Eine Theologie, die nach Vergleichen sucht, die die Zuhörer leicht nachvollziehen können, die am Boden der Tatsachen bleibt und dort nach Gott sucht. -Gott achtet auf jeden Stern am Firmament, jeder ist ein Hinweis, dass es ihn, Gott, gibt. -Wenn Gott schon Sterne und Wolken, Mücken und Fische kennt, dann wird er erst recht jedes Kind kennen, das über diese Erde geht. Gott freut sich über jedes einzelne Kind. Er will, dass es ihnen gut geht, dass es uns, Dir und mir, gut geht. Gott hat dich lieb! Das ist kindlich und schlicht und gleichzeitig hohe Theologie. Ich glaube, es ist genau diese Botschaft, die Kraft gibt – auch, wenn es schwierig wird. Wir glauben nicht an Gott, weil diese Welt immer wunderschön ist. Wir glauben an Gott, weil wir ihn auch dann spüren, wenn die Welt eben nicht wunderschön ist. Und in diesem Sinne können wir auch als Erwachsene fröhlich sein, eben weil wir die Hoffnung des Glaubens haben, dass Gott mit seiner Kraft immer bei uns ist.
So singe ich das Lied von den Sternlein immer wieder gerne. Weil es stark macht. Kinder – und auch Erwachsene.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg