Geistlicher Impuls, 20. Sonntag nach Trinitatis

Lasset uns gemeinsam beten. Evangelisches Stift Freiburg

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 20. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen,
Die gold'nen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämm'rung Hülle
So traulich und so hold
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil uns're Augen sie nicht seh'n.

Wir stolzen Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, lass dein Heil uns schauen,
Auf nichts Vergänglich's trauen,
Nicht Eitelkeit uns freu'n,
Lass uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod;
Und wenn du uns genommen,
Lass uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott.

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon' uns, Gott, mit Strafen
Und lass uns ruhig schlafen.
Und unser'n kranken Nachbarn auch!

(Matthias Claudius, 1790)
Dieses Abendlied von Matthias Claudius gehört zu den bekanntesten Abendliedern und weckt in uns viele Erinnerungen, manchmal bis in die Kindheit. Meine Großmutter hat es uns Enkelinnen immer abends vorgesungen, wenn wir bei ihr zu Besuch waren. Dieses Lied ist für mich bis heute etwas unendlich Vertrautes und Hoffnungsvolles und dringt bis in die tiefsten Schichten meines Inneren.

Zu Beginn der Coronazeit im Frühjahr 2020 gewann dieses Lied unglaublich an Bedeutung, man könnte sagen es wurde zum Hoffnungs- und Trostlied für viele Menschen. Eine Freundin berichtete mir, dass sich jeden Abend eine kleine Schar von Menschen vor der Kirche traf, um dieses Lied gemeinsam zu singen. Es bündelte die Ängste und Unsicherheit und verwies auf das Wesentliche für das Leben gerade in dieser Krisenzeit. Es schenkte Stabilität und immer wieder neu die Hoffnung, dass Gott uns auch in dieser schweren Zeit zur Seite steht und uns durch diese Krise lei-tet.

Der Mond wurde zum Sinnbild für das, was wir nicht sehen können und doch da ist. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. Das Vertrauen in die Wissenschaft war schon damals groß und es ist heute nicht anders. Aber auch sie hat ihre Grenzen. Selbst wenn wir viel mehr wissen als damals, „so ist und bleibt unser Wissen nur Stückwerk hier auf Erden“, so formuliert es schon Paulus in seinem Brief an die Korinther (1. Kor. 13, 9f.), und Sokrates sagt: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Wir können zwar heute auf den Mond fliegen, aber unsere Probleme nicht lösen. „Wir spinnen Luftgespinste Und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.“ Da wirft sich die Frage auf, was ist den das eigentliche Ziel für unser Leben? Matthias Claudius antwortet: „Gott, lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglich's trauen“. Auf Gott schauen und auf sein Wort, in dem er uns zusichert uns zur Seite zu stehen und auch mit uns durch die dunkeln Täler des Lebens zu gehen (Psalm 23). Auf das Heil Gottes schauen, das er uns in seinem Sohn Jesus Christus geschenkt hat. So konnten und können wir weiterhin getrost und hoffungsvoll nach vorn schauen und uns immer wieder dieses Vertrauen und diese Hoffnung schenken lassen um so mutig unseren Lebensweg zu gehen, denn er geht mit. Jesus schenkt uns die Zusage:
“Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt!“
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg