Geistlicher Impuls, Reformationstag

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Reformationstag

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Wartburg, Eisenach, Thüringen
„Ein feste Burg ist unser Gott“

1.
Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst
ers jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

2.
Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit' für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten.

3.
Und wenn die Welt voll Teufel wär,
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir und nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie saur er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht':
Ein Wörtlein kann ihn fällen.

4.
Das Wort sie sollen lassen stahn
und kein' Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan
mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib:
Laß fahren dahin,
sie habens kein' Gewinn,
das Reich muß uns doch bleiben.

(Text & Melodie: Martin Luther 1529)
Wenn es ein Lied gibt, das als bekanntestes Lied der Protestantischen Kirche gilt, dann ist es das Luther Lied “Ein Fest Burg ist unser Gott“. Luther hat dieses Lied wohl zwischen 1521 und 1529 geschrieben. In meiner Konfirmandenzeit war es eine Selbstverständlichkeit, dieses Reformationslied auswendig singen zu können. Würde man heute die jungen Leute fragen, welches das bekannteste Reformationslied sei, schaute man sicherlich in viele ratlose Gesichter. Froh ist man schon, wenn sie zumindest mit dem Namen Martin Luther als Kirchenvater etwas anfangen können.

Natürlich ist die Sprache Luthers nicht mehr unserer Sprache. Auch die kirchlichen und ethischen Vorstellungen haben sich im Laufe der Zeit verändert.

Bereits im 16. Jahrhundert wurde dieser Choral zum Reformationslied und war über die Jahrhunderte das Bekenntnislied evangelischer Christen. Es basiert auf Psalm 46: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht…!“

Heinrich Heine bezeichnete es 1834 in seiner Schrift zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland als "Marseiller Hymne der Reformation", als das Identifikationslied aller Protestanten.
Unzählige musikalische Bearbeitungen erfuhr dieser Choral. Unter anderem 1830 von Felix Mendelssohn Bartholdy und Otto Nicolai im Jahre 1836. Seine kirchliche Festouvertüre über den Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“ wurde 1852 von Franz Liszt für Orgel bearbeitet.

Eine Freundin erzählte mir, dass ihr Mann, der lange Zeit im Ausland lebte, ihr zum Reformationstag immer einen Gruß schickte, der mit „Ein feste Burg ist unser Gott“ begann.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg