Geistlicher Impuls, 21. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 21. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
EG 477 Nun ruhen alle Wälder (Paul Gerhardt)

1. Nun ruhen alle Wälder,
Vieh, Menschen, Städt und Felder,
es schläft die ganze Welt;
ihr aber, meine Sinnen,
auf, auf, ihr sollt beginnen,
was eurem Schöpfer wohlgefällt.

2. Wo bist du, Sonne, blieben?
Die Nacht hat dich vertrieben,
die Nacht, des Tages Feind.
Fahr hin; ein andre Sonne,
mein Jesus, meine Wonne,
gar hell in meinem Herzen scheint.

3. Der Tag ist nun vergangen,
die güldnen Sternlein prangen
am blauen Himmelssaal;
also werd ich auch stehen,
wenn mich wird heißen gehen
mein Gott aus diesem Jammertal.

4. Der Leib eilt nun zur Ruhe,
legt ab das Kleid und Schuhe,
das Bild der Sterblichkeit;
die zieh ich aus, dagegen
wird Christus mir anlegen
den Rock der Ehr und Herrlichkeit.

5. Das Haupt, die Füß und Hände
sind froh, dass nun zum Ende
die Arbeit kommen sei.
Herz, freu dich, du sollst werden
vom Elend dieser Erden
und von der Sünden Arbeit frei.

6. Nun geht, ihr matten Glieder,
geht hin und legt euch nieder,
der Betten ihr begehrt.
Es kommen Stund und Zeiten,
da man euch wird bereiten
zur Ruh ein Bettlein in der Erd.

7. Mein Augen stehn verdrossen,
im Nu sind sie geschlossen.
Wo bleibt dann Leib und Seel?
Nimm sie zu deinen Gnaden,
sei gut für allen Schaden,
du Aug und Wächter Israel’.

8. Breit aus die Flügel beide,
o Jesu, meine Freude,
und nimm dein Küchlein ein.
Will Satan mich verschlingen,
so lass die Englein singen:
»Dies Kind soll unverletzet sein.«

9. Auch euch, ihr meine Lieben,
soll heute nicht betrüben
kein Unfall noch Gefahr.
Gott lass euch selig schlafen,
stell euch die güldnen Waffen
ums Bett und seiner Engel Schar.

Text: Paul Gerhardt 1647
Melodie: O Welt, ich muss dich lassen (Nr. 521)
Satz: Bartholomäus Gesius 1605
Es ist unglaublich, wieviel Lieder uns Paul Gerhardt hinterlassen hat, er sieht immer und überall dem Menschen unter Gottes Schutz und Schirm. Er weist in seinen Liedern in wunderschönen Bildern den Menschen auf seinen Schöpfer hin und was der Schöpfer den Menschen in dieser Welt alles zur Verfügung stellt. So wie in seinem Sommerlied „ Geh aus mein Herz und suche Freud“. Seine Lieder bekommen eine ganz eigene Dynamik und Relevanz ngesicht der Zeit, in der sie geschrieben wurden.

Paul Gerhard lebte in eine Zeit, die durch den 30jährigen Krieg gepägt war und auch familiär hatte er kein einfaches unkomplizirtes Leben. Und dennoch, oder gerade deshalb sind seine Lieder voller Hoffnung und Zuversicht. Dieses Lied schrieb er ein Jahr nach dem 30jährigen Krieg, wo Deutschland mehr oder weniger in Trümmern lag und dennoch finden wir keine Resignation, aber Zweifel an Gott und seinem Wirken.

Wir sind nun in der Herbstzeit angekommen, die Dunkelheit nimmt immer mehr Raum ein. Die Sonne verliert immer mehr an Kraft. So kommt die ganze Schöpfung immer mehr zur Ruhe und soll sich darau besinnen, was Gott dem Schöpfer gefällt und wichtig ist in und für unser Leben. Er führt dann auf Jesus, den Sohn Gottes hin, der Licht in unser Herz und Leben bringt und damit die Dunkelheit vertreibt. Auch ist in Jesus die Macht des Todes durch seinen Tod am Kreuz gebrochen, so darf man getrost seine Augen schließen, denn wir dürfen darauf vertrauen, eines Tages in das Licht Gottes einzutreten.

Die beiden letzten Strophen waren in unserer Familie oft das Abendgebet „Breit aus die Flügel beide, o Jesus meine Freude….“. Wir dürfen immer wieder unser Leben unter seinen Schutz und Schirm stellen, dieses Bild finden wir auch immer wieder in den Psalmen und zeigen, wie sehr Paul Gerhardt in und mit der heiligen Schrift gelebt hat.

Psalm 36,8 „Wie köstlich ist deine Güte, Gott,dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“ Auch in Psalm 91, 1 und 57,2 finden wir das Bild, dass Menschen unter den Flügeln Gottes Zuflucht und Schutz finden.

Diese Bitte möge uns durch diese dunkle Zeit begleiten und stärken. „Gott lass euch selig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Engel Schar.“
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg