Geistlicher Impuls, 3. Sonntag nach Epiphanias

Zeichen Jesus

Zeichen Jesus

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 3. Sonntag nach Epiphanias

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls zum 3. Sonntag nach Epiphanias senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Joh.4,46-54 46
Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinem Sohn zu helfen; denn der war todkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte und ging hin. Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, dass es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.
Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam.

Der kommende Sonntag ist der 3. Sonntag der Epiphaniaszeit. Das Licht in der Natur kehrt wieder, jeden Tag ein bisschen mehr und mit dem Licht erscheint im neuen Kirchenjahr auch die Gestalt Christus als Licht im Evangelium, das gerade in dieser Zeit seit alters her gelesen wird. Heute lesen wir eine Heilungsgeschichte. Wieder ist in dieser Begegnung vieles auf den ersten Blick verborgen. Johannes will, dass die Leser in dem 2. Zeichen Jesu den Glauben des Vaters nachvollziehen können. Die Zeichen dienen also dazu, den Glauben an Jesus Christus zu festigen, wie es Johannes ausdrücklich am Ende seines Evangeliums formuliert: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen“. Es wird damit deutlich, dass es nicht darum geht, Jesus als den Heiler und Wundertäter in den Mittelpunkt zu stellen, sondern seinen Auftrag als Sohn Gottes, als der Christus. Dafür könnte auch der schroffe Satz Jesu sprechen, wenn er sagt: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“ Der königliche Beamte jedoch glaubte ohne Wenn und Aber den Worten Jesu. und dieses Vertrauen setzte sich in seinem Haus fort, so dass alle Zeugen dieses Zeichens zum Glauben kamen. Es geht um die Souveränität Jesu. Hier kommt seine Hoheit besonders zutage. „Der Glaubende soll die Himmlische Wirklichkeit ewigen Lebens in der irdischen Befreiung von Tode erkennen“ (Schnackenburg, Schottroff). Wie fundamental wichtig diese Botschaft des ewigen Lebens ist, lesen wir auch im vorhergehenden Kapitel.
Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle,
die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben
Und das ist das Evangelium, die gute Botschaft für uns alle.


Lied 74
Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht, du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf.
2. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend’ger, hoffen wir; denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.
3. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt, du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl.
4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, fuhr uns durch Finsternis zum Licht, bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugesellt

Mit dem Licht beginnt Gott die Schöpfung der Welt. In Christus ist ein ganz neues Licht über unserem menschlichen Leben aufgeleuchtet, damit uns "ein Licht aufgehe" und wir nicht blieben müssen in den Finsternissen dieser Welt und unseres eigenen Lebens. Sein Licht gilt aller Welt.

Mit dem Spruch über dieser Woche: Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lk 13,29) ist eine Perspektive für den Sendungsauftrag der Kirche gegeben. Gottes Liebe kennt keine Grenze.

Wie faszinierend ist es, wenn Christen aller Welt zusammentreffen: Menschen aus Korea und Nicaragua, Tansania und ganz Europa, die sich zu Jesus Christus bekennen. In knapp 2.500 Sprachen ist die Bibel heute übersetzt. Die christliche Botschaft macht nicht vor Volks- und Landesgrenzen Halt. Sie gilt ausnahmslos allen Menschen. Darum geht es am dritten Sonntag nach Epiphanias. Bereits Jesus und seine Jünger haben sich den Nachbarn des Volkes Israel zugewandt, haben Ausländer geheilt und mit Samaritanern debattiert. Auch Jesu Ahnen sind international wie die Moabiterin Rut, die mit ihrer Schwiegermutter in fremdes Land zog und ihre Religion annahm. Gottes Liebe kennt keine Grenzen – bezeugen die Apostel und Propheten. So wird auch das Reich Gottes bunt und vielsprachig sein. Gottes Barmherzigkeit gilt in alle Richtungen, und sie gilt auch uns. Mögen wir seine Freundlichkeit empfangen und auch leben, damit das Netz aus guter Gemeinschaft dichter geknüpft wird.
Denn: Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg