Geistlicher Impuls, 3. Sonntag nach Trinitatis

Evangelisches Stift Freiburg Geistlicher Impuls Gott Vater 002

Evangelisches Stift Freiburg Geistlicher Impuls Gott Vater 002

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Geistlicher Impuls, 3. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für den geistlichen Impuls, 3. Sonntag nach Trinitatis senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten. Barmherzig und gnädig ist der HERR geduldig und von großer Güte. Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
Psalm 103, 8ff

Wie ein Vater und seine Kinder

Ohne den Psalter ginge der christlichen Gemeinde ein unvergleichlicher Schatz verloren. Bonhoeffer schreibt, „sie können übermächtig in Gedanken und Kraft sein.“ Psalmen sind wie ein Schatzkästlein, in dem viel wertvolle Gedanken, Einsichten, Erfahrungen, Anstöße und Bilder zu finden sind. So sind Gottes Güte und Barmherzigkeit Kennzeichen seines Wirkens. Sie erweisen sich besonders darin, dass er unsere Schuld und unserer Verfehlungen uns nicht ein Leben lang vorhält, sondern uns vergibt. Um der Größe und Tiefe dieses unfasslichen Verhaltens Ausdruck zu geben, verwendet der Psalmbeter das Bild vom Himmel „denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine unvergleichliche Gnade über uns walten“. Ja er vertieft und steigert seine Aussage, wenn er schreibt, so fern der Abend ist von Morgen, lässt er unserer Übertretungen von uns sein.“ Hier kommt die absolute Trennung der Schuld vom Menschen explizit zum Ausdruck. Wenn Gott vergeben hat, dann ist es ein für alle Mal vergeben.

Wie ungemein tröstlich und ermutigend sind diese Aussagen über Gott, da wir Menschen immer wieder schuldig werden. Schuldig an unseren Mitmenschen, an der Schöpfung, ja auch an uns selbst. Der Beter schließt dann im Vers 13 alle mit ein in seinem ansprechenden Bild vom Vater, das viele Assoziationen auslöst. So nehmen uns die Psalmen immer wieder von Neuen gefangen, sprechen mitten in unser Leben hinein, lassen uns nicht allein, sondern geben uns viele Bilder zu Anregung! Bilder, die uns manchmal zu einem Perspektivenwechsel bewegen, die Verborgenes wieder zutage bringen, Bilder, die aufrichten und trösten, Bilder, die das Leben als Gesamtheit im Blick haben. Mit Gott als gütigen Vater, der uns nichts nachträgt, können wir zuversichtlich und getrost unseren Lebensweg gehen, vom Ersten bis zum letzten Atemzug.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten!

Lied 289

Johann Gramann fasst in seinem Lied 289 diese Psalmverse in seiner 2 Strophe zusammen: „Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht, dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht; sein’ Zorn lässt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld, die Gnad tut er nicht sparen, den Schwachen ist er hold; ein Güt ist hoch erhaben ob den’, die fürchten ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Barmherzig und gnädig ist der Herr...

Ob Gott barmherzig ist? Ob Gott ein Herz für uns Menschen hat? Ob wir ihm wichtig sind? Ob es ihn interessiert, was aus uns geworden ist? Und was noch weiter werden wird? Ob er uns immer noch aushält und trägt, auch erträgt?

Barmherzig und gnädig ist der Herr... „Barmherzigkeit“ - gemeint ist damit jemand, der - oder die - ein Herz für die Elenden und Unglücklichen hat.

Bei Anselm Grün habe ich gelesen, dass, wenn im Judentum von Barmherzigkeit die Rede ist, dass man dann an den Mutterschoß denkt. Ich halte das für ein schönes Bild. Der barmherzige Gott trägt uns in seinem Schoß. Hält uns aus. Wartet bis unser Herz wieder weich wird, ein Stück weit zumindest. Weiß, dass wir noch ganz andere werden können und noch lange nicht an unser Ziel gekommen sind.

Das ist doch das Entscheidende: In Gottes Augen sind wir noch lange nicht da angekommen, wo wir hinkommen könnten. Es gibt noch so vieles zu entdecken, zu erfahren, zu verstehen, auch an der eigenen Lebensgeschichte.
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg