Geistlicher Impuls, 4. Sonntag nach Trinitatis

Geistlicher Impuls 4. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 4. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Taufe Jesu von Johannes
Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste; und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan und war bei den Tieren, und die Engel dienten ihm.
Der 24. Juni ist der Johannistag an diesem Tag wird Johannes des Täufers gedacht und erinnert. Sein Name bedeutet: Gott erweist sich als gnädig. Johannes wird sechs Monate vor Jesus in Judäa geboren. Seine Geburt ist von wunderbaren Ereignissen begleitet. „Er hüpft im Leibe seiner Mutter Elisabeth“, heißt es bei Lukas, als sie ihre Freundin Maria trifft. Zacharias, sein Vater, verstummt bis zu seiner Geburt, weil er der Botschaft des Engels nicht glaubt, dass seine Frau einen Sohn gebären wird. Johannes wird zum Vorläufer Jesu. Als Bußprediger lebt er asketisch in der Wüste, predigt und tauft am Jordan. Auch Jesus lässt sich von ihm im Jordan taufen. Bei Jesus Taufe kommt eine Stimme von Himmel, die sagt: „Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Johannes hat den nicht leichten Auftrag, das Gericht Gottes den Menschen bewusst zu machen. Damit macht er seinen Landsleuten und auch uns klar, dass die Gnade Gottes nichts Selbstverständliches und Automatisches ist.
Kein Mensch hat ein Anrecht auf Vergebung seines Versagens durch Gott. Es ist durchaus nicht der "Beruf Gottes, zu vergeben", wie der Spötter Voltaire einst meinte. Wann immer uns Gott vergibt, ist es Geschenk und Gnade.
Johannes wird am Ende durch seine mutige Bereitschaft, die Botschaft Gottes auch dem Vasallen-König Herodes ohne Abstriche und Kompromisse zu verkündigen, zum Märtyrer. Er wird enthauptet und geht auch hier im Leiden und seinem gewaltsamem Tod Jesus voran. Johannes ausgestreckter Zeigefinger, der auf Christus weist, ist auf dem Altarbild des Isenheimer Altars in Colmar durch den Maler Matthias Grünewald eindrucksvoll dargestellt. Es macht sichtbar, dass mit Christus die Heilszeit angebrochen ist, dass er der Messias ist.
Lied 357
1. Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.
3. Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut, er heißt der Herr der Geister, auf den der Himmel schaut, vor dem die Seraphinen anbetend niederknien, um den die Engel dienen: Ich weiß und kenne ihn.
4. Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort.

Der Wochenspruch für den 4. Sonntag nach Trinitatis lautet: "Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." (Gal 6,2)
Sie kennen die Alltagsweisheit: "Jeder hat sein Päckchen zu tragen." Damit ist keine Dienstanweisung bei einem Paketzusteller zitiert. Der Spruch ist sehr alt und bedeutet, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens seinen Teil an Unglück abbekommt und seine auch manchmal bitteren Erfahrungen macht. Wir kennen das, wenn Sorgen drücken, Beziehungen belasten oder eine schwere Krankheit auf unserer Seele lastet.
Können wir einander solche Lasten tragen helfen oder gar abnehmen? Einer trage des anderen Last ist eine klare Aufforderung tätig zu werden, mit anzupacken. Und: Dies ist keine Einbahnstraße, denn nicht nur ich soll Helfer sein, sondern auch andere sollen mir zur Seite stehen. Bei diesem Prinzip gewinnen alle: Der beladene Mensch, der Erleichterung erfährt (geteiltes Leid ist halbes Leid) und der Helfer wird mit Dankbarkeit und einer wachsenden zwischenmenschlichen Beziehung belohnt.
Doch häufig erleben wir, dass es ja viel bequemer ist wegzuschauen und sich mit sich selber zu beschäftigen. Habe ich schließlich nicht selbst genug eigene Probleme... Deshalb ist der Wochenspruch gerade in unserer heutigen Zeit eine wichtige Botschaft. Wir sollen hinschauen auf die Menschen in Not und aktiv werden, uns unserem Nächsten zuwenden. Machen wir also die Augen und Herzen auf, um aktive Lastenträger zu werden und so eine neue Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen zu erfahren. Der gekreuzigte und auferstandene Christus ist auch heute unser Lastenträger - das macht Mut und entlastet uns.

Herr Jesus Christus, du lädst alle zu dir ein, die mühselig und beladen sind. Wir kommen zu dir und danken dir, dass du uns mit unseren Lasten trägst. Statte uns täglich neu mit der Kraft aus, anderen tragen zu helfen. Amen.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg