Geistlicher Impuls, 5. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 5. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Wer war Petrus und welche Funktion hatte er Im Jüngerkreis ?

Petrus gehörte zu den ersten Jüngern, die Jesus berufen hatte.
„Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlang ging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen.“(Math. 4,18 f.). Petrus verläßt seine Familie um Jesus nachzufolgen, aber er vergißt sie nicht. “Und Jesus kam in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter zu Bett lag und hatte das Fieber. Da berührte er ihre Hand und das Fieber verließ sie. Und sie stand auf und diente ihm.“ (Math. 8,14 f.)

Petrus wurde zum Sprecher des Jüngerkreises und war immer an der Seite Jesu.
Als Jesus eines Tages über den See zum Boot der Jünger kam, erschraken sie sehr und hielten ihn für ein Gespenst. Es war Petrus, der viel Mut aufbrachte, der ihn auf dem See jedoch schnell verließ. Petrus ist stark und schwach zugleich. „Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie stiegen in das Boot und der Wind legte sich.“ (Math. 14, 22 ff.)
Petrus bekommt noch eine besondere Bedeutung durch sein Bekenntnis zu Jesus und die Verheißung an ihn. Jesus fragt seine Jünger: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?
Da antwortete Simon Petrus und sprach: „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“ Jesus antwortete ihm und sprach: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein“.
Die katholische Kirche führt ihren Primatsanspruch des Papsttums auf diese Aussage Jesu zurück!
Bei allen wichtigen Begegnungen ist Petrus an der Seite Jesu, sei es bei der Verklärung auf dem Berg, wo er Hütten bauen möchte (Math. 17,1 ff.), oder im Garten Gethsemane. Dort soll er mit den zwei Söhnens des Zebedäus mit Jesus beten und warten, denn Jesus weiß, dass er bald verhaftet wird. Dreimal findet ihn Jesus mit den beiden anderen Jüngern schlafend. (Math. 26, 36 ff.) Als Jesus gefangengenommen wird, versucht Petrus ihn mit dem Schwert zu verteidigen, wird aber von Jesus zurückgehalten. Jesus weiß, dass Gott in diesem Weg auferlegt hat.
Von Petrus hören wir, dass er Jesus dreimal verleugnet, so wie Jesus es ihm vorhergesagt hatte. Beim dritten Hahnenschrei erkannte er seine Feigheit und ging hinaus und weinte bitterlich. (Math. 26, 69 ff.) (Daran erinnern die Hähne auf den Kirchtürmen).
Und selbst nach diesem jämmerlichen Versagen baut Jesus weiterhin auf ihn. Nach der Auferstehung, als die Frauen vom leeren Grab den Jüngern berichteten, lief er zum leeren Grab und konnte es nicht verstehen. Erst als er als einer der Ersten dem Auferstandenen begegnete (1.Kor. 15, 4 f.) wurde ihm vieles klar. So konnte er als Leiter der Urgemeinde in seiner Pfingstpredigt bekennen: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dessen sind wir (Jünger) Zeugen. Petrus ist eine vielschichtige und wichtige Persönlichkeit mit vielen Facetten. So ist Petrus in der ersten Christenheit und bis heute ein wichtiges Vorbild in seiner großen Stärke, aber auch in seiner so menschlichen Angst und Schwäche.
EG 313

1. Jesus, der zu den Fischern lief und Simon und Andreas rief, sich doch ein Herz zu fas-sen, die Netze zu verlassen -vielleicht kommt er auch heut vorbei, ruft mich und dich, zwei oder drei, doch alles aufzugeben und treu ihm nachzuleben

3. Der durch die Welt geht und die Zeit, ruft nicht, wie man beim Jahrmarkt schreit. Er spricht das Herz an, heute, und sammelt seine Leute. Und blieben wir auch lieber stehn -
zu wem denn sollen wir sonst gehn? Er will uns alles geben, die Wahrheit und das Leben.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg