Geistlicher Impuls, 6. Sonntag nach Trinitatis

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 6. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für den Geistlicher Impuls, 6. Sonntag nach Trinitatis senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, an den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat zu ihnen und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.
Matthäus 28, 16 - 20

Taufe als Bund

Es ist erstaunlich. Dort wo das Vermächtnis des scheidenden Christus für die Menschen stehen könnte, steht nun dieser großartige Auftrag, in dessen Mittelpunkt Vertrauen steht: Geht hin, gebt den Menschen weiter, was ihr von mir über Gott, seine Liebe, Barmherzigkeit und Gnade gehört und erfahren habt. Ich traue euch das zu. Seid für die Menschen da, so wir ich für sie da war. Die Taufe und die Erinnerung an unsere Taufe ist Thema dieses Sonntags. Wenn Martin Luther Zweifel und Ängste überkamen, erinnerte er sich an seine Taufe und sagte: „Ich bin getauft, Gott du bist für mich verantwortlich!“ Er soll es auf seinen Schreibtisch auf der Wartburg eingeritzt haben.

In meinen vielen Jahren als Pfarrerin, durfte ich viele Kinder und einige Erwachsene taufen. Beeindruckend war für mich ein Schüler, der nach der Unterrichtseinheit „Taufe“ zu mir kam und getauft werden wollte. Mein ältester Täufling war 84 Jahre alt, das war für mich eine ganz besondere Taufe. Jesu Taufaufforderung gilt lebenslang und sie ist nie zu spät. Ich kann mir keinen passenderen und schöneren Schluss eines Evangeliums von Jesus Christus vorstellen, als seine Worte: "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Wenn Christus hier zum Abschied davon spricht, dass er immer bei uns ist, ist das eine hoffnungsvolle, tröstliche Aussage. Er geht zum Vater, bleibt jedoch unsichtbar in unserer Nähe! Es ist eine hilfreiche Botschaft für uns. Vielleicht haben wir seine Nähe erfahren, als eines unserer Gebete erhört wurde.

Vielleicht hat er uns spürbar vor einem Unglück bewahrt. Ja, manchmal in Stunden des Glücks, aber auch in Zeiten großen Leids dürfen wir erfahren, dass wir nicht allein sind. Wir dürfen uns geborgen wissen in allen Lebenslagen und jeden Tag neu erfahren wer uns die Kraft schenkt, um Tag für Tag zu bewältigen.

Siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt!

Tauflied

1. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt. Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt; du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt; du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein.

4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verloren gehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan. (EG 200)
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Erinnerung an die Taufe

Im Zentrum des 6. Sonntag nach Trinitatis steht die Erinnerung an die Taufe. Ein Anlass, sich einmal zu fragen und mit anderen darüber auszutauschen, welcher Aspekt der Taufe für einen selbst besonders wichtig ist, bzw. ob die Taufe überhaupt eine Rolle spielt im eigenen Glaubensleben. Wer kann spontan das Datum seiner Taufe nennen? Wer feiert den Tag, und auf welche Weise?

Von Martin Luther wird erzählt, dass er in Zeiten der größten Verzweiflung auf zwei in den Tisch geritzte Worte schaute und aus ihnen Kraft zog: „Baptizatus sum“ soll da gestanden haben – die lateinischen Worte für „Ich bin getauft“. Und diese Worte waren nicht einfach nur eine Feststellung für ihn, der unmittelbar nach seiner Geburt getauft worden war und sich natürlich nicht erinnern konnte, sondern sie gaben ihm Kraft und Zutrauen. Zutrauen in die Liebe und Zuwendung von Gott – auch wenn er sich einsam und verzweifelt fühlte. Wenn er mit Gott haderte und nicht weiter wußte.

Dieses Wissen um seine Taufe mag ihm auch Zuversicht gegeben haben, wenn er über das Lebensende nachgedacht hat. Denn für Luther war die Vollendung der Taufe erst im Tod zu sehen. Denn in der Taufe geschehen Tod und Auferstehung gleichzeitig. Martin Luther wusste in diesem Zusammenhang: Die Liebe hört niemals auf. Auch wenn das Leben hier begrenzt ist, auch wenn der Tod ins Leben tritt: Die Liebe hört niemals auf – Gott schenkt in seiner Liebe schon in der Taufe das Ewige Leben.

Ich bin getauft in deinen Namen, Gott. In die Liebe, die du uns zeigst und aus der wir leben. Gott ist die Liebe, in ihn bin ich getauft. Denn ohne dich Gott, wäre ich nichts.
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg