Geistlicher Impuls, 6. Sonntag nach Trinitatis

Lasset uns beten...

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 6. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Matthäus 28,16 – 20
16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.
17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.
18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
19 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Sie gingen buchstäblich in die Knie, überwältigt von der Herrlichkeit Gottes. „Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder.“ Das anbetende Niederfallen gehört zu den Jüngern dazu, aber sie kennen auch ein Fallen anderer Art. Sie können auch zu Fall kommen, können in Zweifel und Kleinglauben hineinstürzen. Unter dem Druck, der auf ihnen lastet, fallen sie um. „Einige aber zweifelten“ heißt es in der Bibel über die Jünger. Für mich ist das ein tröstlicher Satz. Christus jagt die nicht fort, die nichts fühlen von seiner Macht und nicht glauben können, dass ihm alle Regierungsgewalt gegeben ist. „Im Himmel“, ja , da vielleicht. Aber „auf Erden“?
„Einige aber zweifelten“, aber „Jesus trat zu ihnen und sprach zu ihnen.“ So ist Jesus! Er tritt auch in die Mitte der niedergeschlagenen Zweifler und gibt ihnen seine Zusage:
„Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Den in tiefe Zweifel Gestürzten begegnet Christus so, wie ihnen Gott begegnet. Wie begegnet Gott denen, die fallen?
Ein Psalm (145,14) sagt: „Der HERR hält alle, die da fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.“ Es ist Gottes Wille, sich mit uns Menschen zu verbinden. Er ist bei uns auch in unserem Fragen und Suchen, in unserem Zweifeln und Klagen.
Durch Halten und Aufrichten übt Jesus Christus seine Regierungsgewalt aus. Christen können zu Fall kommen. Jeder von uns kann in Zweifel fallen, in Sünde, in Schuld, in Kleinglauben. Unser Fallen müssen wir nicht verstecken. Bei uns ist Scheitern erlaubt. Christus hat Macht. Er kann etwas machen. Auch mit denen, die gefallen sind. Wer sich vor Christus beugt und vor ihm niederfällt, der hält sich an den Gott, der Halt gibt. Er gibt Halt im Leben und im Sterben.
Die Jünger bekommen einen Auftrag: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern!“ Muss das gleich „in alle Welt“ sein? Wäre nicht ein Beginn bei den eigenen Patenkindern auch schon etwas? Bei der Taufe wurden die Paten zusammen mit den Eltern gefragt: „Wollt ihr dieses Kind zum Glauben an Jesus Christus führen…. So antwortet: Ja mit Gottes Hilfe.“ Wenn ihr Patenkind bei ihnen zu Besuch wäre: Woran könnte es merken, dass sie selber viel halten von dem, was Jesus gesagt hat?
Jesus sagt: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker.“ „Alle Welt“ beginnt gleich vor unserer Haustür. Wir brauchen keine mühsamen Reisen zu machen, wie der Apostel Paulus oder die Missionare, die einst aus Irland und Schottland kamen, um den Alemannen und anderen Stämmen der Germanen das Christentum zu bringen. Wir haben es heute leichter, denn „alle Welt“ kommt zu uns! Flüchtlinge kommen aus vielen Ländern der Erde: Afghanen, Iraner, Syrer, Eritreer, Nigerianer, Menschen von der Elfenbeinküste und aus Mali. Manche sind schon Christen. Da gilt das biblische Wort: „Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ (Gal 6,10) Viele andere sind keine Christen. Sie schauen auf uns, wie wir mit ihnen umgehen.
Ich wohne in Ettlingen und gehöre zur Johanneskirche. Hier arbeiten Gemeindeglieder im Arbeitskreis Asyl mit. So ergab sich ein Kontakt zu Menschen aus dem Iran. Einzelne unter ihnen waren in ihrer Heimat schon bekannt mit christlichen Gruppen, die sich im Verborgenen trafen. Getauft war noch keiner. Nun haben sie die evangelische Johanneskirche als einladende Gemeinde erlebt und haben auch andere Flüchtlinge in den Gottesdienst mitgebracht. Sie erhalten Unterricht im christlichen Glauben. Schon innerhalb der ersten drei Jahre nach den ersten Kontakten haben sich achtzehn Iraner in der Johanneskirche taufen lassen. Seither sind weitere dazu gekommen. Die ehemaligen Muslime bekannten bei ihrer Taufe, warum sie Christen werden wollten. Am meisten beeindruckt sie das Wort Jesu: „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ (Matth 5,4) Was Verfolgung ist, haben sie unter der Diktatur der schiitischen Ajatollahs im Iran selber erlebt. Und nun sind sie bei uns. Einer ist schon als Kirchenältester gewählt. So kann es sein, wenn „alle Welt“ zu uns kommt und wir den Auftrag haben: „Machet zu Jüngern alle Völker und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“
(Prälat Helmut Barié)
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg