Geistlicher Impuls, 8. Sonntag nach Trinitatis

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 8. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für den Geistlicher Impuls, 6. Sonntag nach Trinitatis senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Johannes 9, 1 – 7 Und als Jesus vorüberging, sah er einen Menschen, blind von Geburt. (2) Und seine Jünger fragten ihn und sagten: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? (3) Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden. (4) Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. (5) Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. (6) Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und bereitete einen Teig aus dem Speichel und strich den Teig auf seine Augen; (7) und er sprach zu ihm: Geh hin, wasche dich in dem Teich Siloah. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.
Philipper 2,1-4

Damals war man überzeugt, dass Krankheiten oder Beeinträchtigungen in einem schuldhaften Verhalten der Eltern oder Großeltern liegen. Man dachte in den Kategorien von Ursache und Wirkung, Schuld und Sühne. Wo Rauch ist, da muss auch Feuer sein. Mit diesem Vorurteil räumt Jesus ein für alle Mal auf. Weder der Blinde hat gesündigt noch haben es seine Eltern, sagt Jesus: ganz klar und deutlich. Er stellt es in einen ganz anderen neuen Zusammenhang. Hier soll nicht vordergründig gleich be– und verurteilt werden, sondern Jesus lenkt den Blick viel tiefer "Es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm." Es geht hier um Gott und sein Wirken. Jesus ist es, der die Werke Gottes vollbringt. Er ist in die Welt gekommen, um eben dies zu bewirken. Deshalb geht er auch sehr achtsam mit den Menschen um, geht auf sie zu und holt sie aus ihrer Isolation heraus. Wir können lernen und begreifen, vor Gott sind alle Menschen gleich! Jeder ist sein Ebenbild, mit seinen ganz besonderen Begabungen. Unser Blick soll nicht vordergründig am Äußeren der Menschen hängenbleiben, sondern wir sollen genauso achtsam mit unseren Mitmenschen umgehen und auf sie zugehen. Sodann erkennen, mit welchen Gaben Gott diesen Menschen ausgestattet hat. . Die Heilung des Blinden dann ist auch sehr tiefgründig. Was Jesus da tut, spielt, könnte man sagen, auf die Schöpfung an. Was er an dem Blinden vollbringt, wie er ihn verändert, das entspricht einer völligen Neuschöpfung. Und dazu passt auch der nächste Schritt, die Aufforderung, sich im Teich Siloah zu waschen. Der Blinde erfährt durch Jesus einen neuen Anfang, der ihn noch einmal ganz von vorne beginnen lässt. Er ist ein neuer Mensch und sieht sich und die Welt mit seinen Augen. Fundamental und zentral bis heute ist die Aussage Jesus mit der er ein für alle Mal den kausalen Zusammenhang zwischen Krankheit und Schuld durchbrochen hat. Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden.
Lied 357 Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt. Ich weiß, was ewig dauert, ich weiß, was nimmer lässt; mit Diamanten mauert mir’s Gott im Herzen fest. Die Steine sind die Worte, die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein. Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der Diamanten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

"Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit" (Epheser 5,8-9), so lautet der Wochenspruch für den 8. Sonntag nach Trinitatis.
Lebt als Kinder des Lichts! Doch wie macht man das? Wie lebt man als Kind des Lichts? Ein Beispiel dazu könnten die Sonnenblumen sein, die zur Zeit auf den Feldern und in unseren Gärten blühen. Diese Blumen sind Kinder des Lichts! Sie haben sich dem Licht der Sonne zugewandt und haben das Licht der Sonne in blühende Schönheit verwandelt. Sie haben sich dem Licht der Sonne entgegengestreckt und haben so Kraft und sonnenhafte Helligkeit in ihren Blüten gespeichert. So ist es auch mit uns Christenmenschen: Wenn wir uns der Sonne unseres Lebens, nämlich Jesus Christus entgegenstrecken, dann wird es innerlich hell in unserem Leben. Wenn wir uns nach Christus hin ausrichten und unser Angesicht den Strahlen seiner Liebe aussetzen, dann werden wir erfüllt mit Freude und Liebe. Dann sieht man uns an, dass wir Kinder des Lichtes sind und keine Kinder der Finsternis. Der Liederdichter G. Tersteegen hat dazu einmal gedichtet und gebetet: „Du durchdringest alles. Lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen, willig sich entfalten und der Sonne stille halten. Lass mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ Lassen wir die Strahlen Gottes in uns wirken, machen wir es wie die Sonnenblumen: wenden wir unser Gesicht der Sonne entgegen, unser Herz Jesus entgegen, so fallen die Schatten hinter uns.
Bleiben Sie alle gesund und behütet!
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg