Geistlicher Impuls, 9. Sonntag nach Trinitatis

09.08.2020

09.08.2020

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 9. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für den Geistlicher Impuls, 9. Sonntag nach Trinitatis senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Jeremias Berufung 4 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. 7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: "Ich bin zu jung", sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. 9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. (Jer.1, 4-10)
Philipper 2,1-4

Jeremia gehört zu den vier großen Propheten neben Jesaja, Hesekiel und Daniel. Er wurde in einer Priesterfamilie um 645 v. Chr. geboren, die nahe bei Jerusalem wohnte. Über ihn und sein Leben wissen wir sehr viel, durch die biographischen Bemerkungen, die wir in seinem Buch finden. Ganz jung wird er von Gott zum Propheten berufen und er fühlt sich dieser Aufgabe in keiner Weise gewachsen, geschweige denn vorbereitet. Prophet sein bedeutet: Gottes Sprachrohr zu sein und en Menschen Gottes Botschaft nahe zu bringen. Selbst vor dem König machte er nicht halt. Und auf Gottes Wort wurde oft nicht gerne gehört, weil es unbequem war oder nicht dem Wunsch und Willen der Regierenden entsprach. So hatte ein Prophet keinen leichten Stand und Jeremia umso mehr, da er noch so jung war. Er erlebte die tragische Periode des Untergangs Judas. Gott übertrug ihm, dem feinfühligen Mann, keine leichte Aufgabe, denn er musste vor allem Unheil vorhersagen „Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen!“ Jeremia fühlt sich überfordert, aber Gott nimmt ihm seine Zweifel, indem er sich an seine Seite stellt und ihm explizit seine Hilfe zusagt. Gott hat ihn schon immer für diese Aufgabe ausgewählt.
Auch heute hat Gott Menschen im Blick und hat sie mit vielen Gaben und kreativen Begabungen ausgestattet. Und diese können und dürfen sie in den Dienst der Mitmenschen und in den Dienst Gottes stellen. Manchmal denken sie, dass ihnen Gott zu viel zumutet, aber dann dürfen sie wissen und erfahren, dass er sie nicht allein lässt und dass bis heute dieselbe Zusage gilt, wie damals dem jungen Jeremia.
Fürchte dich; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

Lied 165
1. Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder. 2. Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen. Heilig, heilig, heilig! singen ihm zur Ehre aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm unsre Stimm, da auch wir Geringen unsre Opfer bringen. 4. Majestätisch Wesen, möcht ich recht dich preisen und im Geist dir Dienst erweisen. Möcht ich wie die Engel immer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen. Lass mich dir für und für trachten zu gefallen, liebster Gott, in allem.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Im Wochenspruch für den 9. Sonntag nach Trinitatis heißt es: „Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen – und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ (Luk 12,48b).
“Anvertraute Gaben” das ist das Thema des kommenden Sonntags. Ob uns immer bewusst ist, was uns an Fähigkeiten und Talenten gegeben ist? Ob wir wohl hinreichend davon Gebrauch machen, was unseren Begabungen und Stärken entspricht? Jeder hat eine Gabe, ein Talent oder etwas Besonderes, das ihn oder sie unverwechselbar und einmalig besonders macht. Dieses anvertraute Talent liegt oft mehr oder weniger genutzt in unserem Leben – und diese Gabe hat uns Gott nicht vergeblich, sondern zum reichlichen Gebrauch geschenkt. Welcher Hebel müsste umgelegt werden, damit dieses Talent glänzen kann? Ich denke, diese Bremsen und Hebel liegen auch in der Beziehung zu Gott begründet. Es hat etwas mit dem zu tun, wie wir unsere Gaben und Talente in die Begegnung mit ihm bringen. Unsere Gaben sind auch unsere Aufgaben. Was wir haben und was wir sind, das sollen wir einsetzen zum Wohl der Nächsten und zur Ehre Gottes. Die Kraft des Heiligen Geistes schenkt uns dabei Mut zum Ausprobieren und Kraft für Niederlagen und Rückschläge. Unsere Talente sind nicht sofort und auf Knopfdruck entwickelt und reif zum Einsatz. Sie wollen behutsam in kleinen Schritten entfaltet und ausprobiert werden. Da braucht es Mut zu Neuanfängen und zum Weitermachen nach Kritik oder Blamagen. Gottes Geist spricht uns zu, dass wir alles, was in Glaube und Liebe geschieht, zu einem guten Ende kommt. Lassen wir also unsere „Talente glänzen“…

Bleiben Sie alle gesund und behütet!
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg