Geistlicher Impuls, 3. Advent

Dritter Advent

Dritter Advent

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls zum dritten Advent

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls zum 3. Advent senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Jesaja 40, 1 - 11
(1) Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott.
(2) Redet zum Herzen Jerusalems, und ruft ihm zu, dass sein Frondienst vollendet, dass seine Schuld abgetragen ist! Denn es hat von der Hand des HERRN das Doppelte empfangen für all seine Sünden.
(3) Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
(4) Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden! Und das Höckerige soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene!
(5) Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Denn der Mund des HERRN hat geredet.
(6) Eine Stimme spricht: Rufe! Und ich sage: Was soll ich rufen? - Alles Fleisch ist Gras, und all seine Anmut wie die Blume des Feldes.
(7) Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt, denn der Hauch des HERRN hat sie angeweht. Fürwahr, das Volk ist Gras.
(8) Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt. Aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit.
(9) Auf einen hohen Berg steig hinauf, du Freudenbotin Zion! Erhebe mit Macht deine Stimme, du Freudenbotin Jerusalem! Erhebe sie, fürchte dich nicht! Sprich zu den Städten Judas: Siehe da, euer Gott!
(10) Siehe, der Herr, HERR, kommt mit Kraft, und sein Arm übt die Herrschaft für ihn aus. Siehe sein Lohn ist bei ihm, und seine Belohnung [geht] vor ihm her.
(11) Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte, die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und in seinem Gewandbausch tragen
Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen über alle Völker, auf den werden sie alle hoffen. In schwierigsten Zeiten verkündet Jesaja, dass der Erlöser auf die Erde kommen wird und es gibt einen, der ihm die Wege bahnt. Jesaja, der um 700 gelebt hat, kündigt diesen Vorläufer, Johannes den Täufer, an. Jesaja selbst weist auf den Erlöser hin. Er kann noch nicht sagen wann und wie, aber er weiß, dass der Erlöser eines Tages geboren werden und aller Welt Frieden bringen wird. „Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens", so verkündeten es die Engel, als Jesus Christus in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren wurde.
Zuvor soll das Volk getröstet werden, so lautet der Auftrag Gottes. Gott tröstet, indem er uns eine Zukunft verspricht. "Ich halte zu dir. Ich verlasse dich nicht. Ich bin da, wenn es eng wird."
Solche Trostworte hatte Israel immer wieder, besonders durch den Propheten Jesaja, gehört. Es ist so wichtig, sich trösten zu lassen, neuen Mut zu bekommen und Trost weiterzugeben. Geduld und die Fähigkeit zu trösten, das sind die Grundlagen für Frieden. Frieden ist etwas Wunderbares. Jeder Mensch kann sich dann entfalten und sich geborgen wissen.
Dann kann Weihnachten werden und der weihnachtliche Friede ins Herz einziehen.
EG 10
1. Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt; bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst; macht alle Bahnen rechtere Tal lasst sein erhöhet, macht niedrig, was hoch steht, was krumm ist, gleich und schlicht. 3. Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.

Advent.
Wir halten weiter Ausschau nach dem Licht, das in die Welt kommen soll. Nach Hilfe und Kraft. Nach Frieden. Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem diese mühevolle, dunkle Zeit nicht mehr ist...

Die Adventszeit ist seit jeher eine ganz besondere Zeit. In ihr verschwimmen die Zeit-Ebenen: Der allererste Advent vor über 2000 Jahren, als Jesus in die Welt gekommen ist. Alle Jahre wieder die Erinnerung daran und die Vorbereitung auf das Christfest in diesem Jahr. Und als wäre das nicht schon genug, auch der Blick auf jenen Advent, zu dem Christus am Ende aller Zeiten kommen wird, um die Welt endgültig zu erlösen und zu versöhnen.

Die Adventszeit 2020 ist noch einmal anders besonders. Vieles von dem, was für die meisten von uns zu den Wochen und Tagen vor Weihnachten dazugehört, wird angesichts der Corona-Pandemie nicht möglich sein: gemeinsames Singen, Gottesdienste und Konzerte in gut gefüllten Kirchen, Adventsbasare und Weihnachtsmärkte, Feiern im Kreis von Arbeitskolleginnen und -kollegen und von Freunden, und so manches andere mehr. Stattdessen der tägliche Blick auf die Fallzahlen und die neuesten Ansagen zu den Schutzmaßnahmen. Und in alledem die Frage, wie Weihnachten wohl werden und sich anfühlen wird.

So bedrückend das ist, so sehr eröffnet es uns die Möglichkeit, die Adventszeit stärker in einer Weise zu erleben, wie sie lange gewesen ist: als Zeit zum Nachdenken, für einen (selbst)kritischen Blick, für suchende Augen und für hörende Herzen. Advent - will sagen: Es bleibt nicht alles, wie es ist- "Einer" kommt, verändert die Welt, bringt Licht und neues Leben.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg