Geistlicher Impuls, Drittletzter Sonntag

Dankbarkeit von ganzem Herzen und ganzer Seele

Dankbarkeit von ganzem Herzen und ganzer Seele

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Drittletzter Sonntag

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls zum drittletzten Sonntag senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Dankbares Bekenntnis zur Hilfe Gottes
Aus Psalm 118. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
Es sage nun Israel: Seine Güte währet ewiglich. Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen. Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Fürsten. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg! Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg! Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen. Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid. Du bist mein Gott und ich danke dir;mein Gott, ich will dich preisen.
Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Wie ein Refrain durchzieht dieser treffende Aufruf zum Lob, das Gesangbuch Israels, den Psalter. Der Appell zu Dankbarkeit umrahmt Psalm 118. Es war für unseren Kirchenvater Martin Luthers der Lieblingspsalm, eine kleine und doch treffende Zusammenfassung der ganzen Fülle des christlichen Glaubens. „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.“
Der Refrain steht in der Reihe großer Hymnen der Bibel. Er bringt eindrücklich nahe und macht uns bewusst, wem wir uns und unser Sein verdanken. Wir können von ganzem Herzen und mit ganzer Seele dankbar sein, weil der uns gnädige und gütige Gott in und unter uns am Werk ist. Im Neuen Testament wird die Dankbarkeit dem Wirken des Heiligen Geistes zugeschrieben. Sie stellt sich ein und kann dem Leben nicht verordnet oder abgetrotzt werden. Ein Leben aus Dankbarkeit gelingt, wenn wir uns darauf besinnen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Imperative sind uns im Grunde suspekt, und wir wehren uns eher dagegen. Wir sind doch freie Menschen und wollen uns nichts diktieren lassen. Aber hier steht der Imperativ „Gott zu loben“ nicht allein, sondern ihm folgt eine nachvollziehbare Begründung: Gott ist zu loben, weil er freundlich und gütig ist. Und wer könnte in seinem Leben nicht viele Beispiele dafür finden. Eine Bewohnerin erklärte mir: „Ich bin Gott dankbar, dass er mich jeden Tag am Leben erhält, mir Kraft gibt, mich beschützt und mir das Bewusstsein des ewigen Lebens gegeben hat, und ich im Vertrauen auf Ihn auch meine letzte Reise antreten werde“ In einem anderen Psalm heißt es: Deine Güte, Gott, ist köstlicher noch als Leben (Ps.63,4). Diese Gotteserfahrung bereichert und hält uns im Leben in frohen und traurigen Stunden.
Aus diesem Grunde empfiehlt Martin Luther „ein immer wieder neues sich Versenken in diesen Psalm, in die Bestimmtheit seiner unverlierbaren Lebensqualität, die sich dem Wirken Gottes verdankt, weil uns nichts geschieht und widerfährt ohne Gott. Helmut Thielicke resümiert: „Es muss alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. Von ihm her trifft es uns und die Welt, rettend und heilsam, erfrischend und belebend“. Deshalb
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.
Lied 333
1. Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich, sie währet ewiglich,
2. Lobet den Herrn! Ja, lobe den Herrn auch meine Seele; vergiss es nie, was er dir Guts getan, was er dir Guts getan,
6. Singet dem Herrn! Lobsinget dem Herrn in frohen Chören, denn er vernimmt auch unsern Lobgesang, auch unsern Lobgesang,

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen (Ps 37,5).
Am Montag dieser Woche begann der zweite „Lockdown“ in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Mit großer Besorgnis müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus weiter mit exponentieller Dynamik ansteigt. Deutschlandweit bereiten wir uns auf eine harte Zeit vor - ich denke, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie, die von Montag an das öffentliche Leben lähmen, unumgänglich sind.

Aber: Wie lange soll das noch so gehen? Wie soll das bloß alles weitergehen? Diese Fragen sind im Moment ein großes Thema. Neben der Sorge um die eigene Gesundheit oder die nahestehender Menschen kommen immer mehr andere Bedenken dazu: Viele bangen um ihren Arbeitsplatz oder wie sie mit ihrem Geld über die Runden kommen sollen. Selbstständige rechnen beunruhigt, wie viele Wochen ihre Reserven noch reichen und hoffen, dass keiner ihrer Angestellten erkrankt. In diesen Tagen kommt mir Psalm 37,5 in den Sinn:
"Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen."
Der Psalmvers macht deutlich, dass Gott auf der Seite der Seinen, in der Sprache des Psalms auf der Seite der Gerechten, steht. Gott wird ihnen helfen, auch wenn dies nicht immer gleich deutlich zu Tage tritt. Wir können und sollen unsere Angst und Sorge, die uns drückt und belastet, „abwälzen“ auf Gott, ihm unseren Weg in die Zukunft anvertrauen. In diesen Tagen ist es wichtig, dass wir uns immer wieder mal bewusst machen: Wir dürfen unsere Sorge auf Gott abwälzen und vertrauen, dass er unser Heil will und eingreifen wird. Und dann: Schritt für Schritt den Weg gehen, den Gott uns führt.
In diesen Tagen stieß ich auf ein Zitat von Martin Luther, das alt, aber wieder erschreckend aktuell geworden ist, aber auch zeigt, dass es Zeiten wie diese immer wieder mal in der Geschichte gegeben hat...
Als 1527 die Pest in Wittenberg ausbrach, schreibt Martin Luther:
„Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg