Geistlicher Impuls, Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Ermuntert Euch, ihr Frommen

1) Ermuntert euch, ihr Frommen,
zeigt eurer Lampen Schein!
Der Abend ist gekommen,
die finstre Nacht bricht ein.
Es hat sich aufgemachet
der Bräutigam mit Pracht.
Auf, betet, kämpft und wachet!
Bald ist es Mitternacht.

2) Macht eure Lampen fertig
und füllet sie mit Öl
und seid des Heils gewärtig,
bereitet Leib und Seel!
Die Wächter Zions schreien:
»Der Bräutigam ist nah!«
Begegnet ihm im Reigen
und singt: Halleluja!

3) Ihr klugen Jungfraun alle,
hebt nun das Haupt empor
mit Jauchzen und mit Schalle
zum frohen Engelchor!
Wohlan, die Tür ist offen,
die Hochzeit ist bereit.
Erfüllt ist euer Hoffen:
der Bräut’gam ist nicht weit.

4) Er wird nicht lang verziehen,
drum schlafet nicht mehr ein;
man sieht die Bäume blühen;
der schöne Frühlingsschein
verheißt Erquickungszeiten;
die Abendröte zeigt
den schönen Tag von weitem,
davor das Dunkle weicht.

5) Begegnet ihm auf Erden,
ihr, die ihr Zion liebt,
mit freudigen Gebärden
und seid nicht mehr betrübt;
es sind die Freudenstunden
gekommen, und der Braut
wird, weil sie überwunden,
die Krone nun vertraut.

6) Die ihr Geduld getragen
und mitgestorben seid,
sollt nun nach Kreuz und Klagen
in Freuden ohne Leid
mitleben und -regieren
und vor des Lammes Thron
mit Jauchzen triumphieren
in eurer Siegeskron.

7) Hier ist die Stadt der Freuden,
Jerusalem, der Ort,
wo die Erlösten weiden,
hier ist die sichre Pfort,
hier sind die güldnen Gassen,
hier ist das Hochzeitsmahl,
hier soll sich niederlassen
die Braut im Freudensaal.

8) O Jesu, meine Wonne,
komm bald und mach dich auf;
geh auf, ersehnte Sonne,
und eile deinen Lauf.
O Jesu, mach ein Ende
und führ uns aus dem Streit;
wir heben Haupt und Hände
nach der Erlösungszeit.
Lorenz Lorenzen, dem wir sowohl dieses Lied als auch das Osterlied: „Wach auf mein Herz die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen“, ebenso wie: „Ermuntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu umfangen“ (EG 114) zu verdanken haben, ist 1660 in Husum geboren, war Musikdirektor in Bremen und verstarb 1722. Lorenzen nimmt in seinem Lied zum Ende des Kirchenjahres den Text aus dem Matthäus-evangelium: „Von den klugen und törichten Jungfrauen auf“ (Math. 25,1ff). Ihm scheint es wichtig zu sein, dass der Christ wachsam bleibt und gerüstet ist, wenn der Heiland eines Tages wiederkommen wird. In seinen beiden Liedern bringt er das deutlich zum Ausdruck, mit seiner Aufforderung „wach und gerüstet zu sein“. Wenn wir uns so verhalten und im Licht bleiben, gehören wir zu den klugen Jungfrauen; nur so kommen wir in die Stadt der Freuden, in das neue Jerusalem. Lorenzen sieht mit Zuversicht dieser Endzeit entgegen. „O Jesu, meine Wonne, komm bald, und mach dich auf; geh auf, ersehnte Sonne, und eile deinen Lauf. O Jesu, mach ein Ende und führ uns aus dem Streit;
wir heben Haupt und Hände nach der Erlösungszeit.“
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg