Geistlicher Impuls, 1. Sonntag nach Epiphanias

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 1. Sonntag nach Epiphanias

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
EG 65 Von guten Mächten treu und still umgeben

1. Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

2. Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken
und dann gehört dir unser Leben ganz.

5. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
(Text: Dietrich Bonhoeffer (1944/45)
 
Dietrich Bonhoeffer , sein Leben und seine Werke begleiten mich seit meiner Studienzeit. Meine Examnensarbeit war über seine so prophetischen Worte „Nicht nur die Opfer unter dem Rad ver binden, sondern dem Rad in die Speichen fallen.“, seine Metapher für seinen Widerstand, die er bereits 1933 geschrieben hat. Und er ist dem Rad in die Speichen gefallen und hat den Tod bewußt auf sich genommen. Seine wohl bedeutesten Worte, die unzählige Menschen bis heute als Gebet begleiten sind Strophe 7. Er hat dieses Gebetslied zum Jahreswechsel 1944/45 an seine Verlobte Maria von Wedemeyer und seine Familie geschrieben. Er schreibt in diesem Brief dazu :

„Es ist, als ob die Seele in der Einsamkeit Organe ausbildet, die wir im Alltag kaum kennen. So habe ich mich noch keinen Augenblick allein und verlassen gefühlt. Du und die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid mir immer ganz gegenwärtig. Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat. Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: ‚zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken‘, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder.“

Seine Zeilen blicken in die ungewisse Zukunft, die ihn erwartet, aber dennoch in dem Wissen von Gottes Liebe getragen zu sein, getragen von den guten Mächten, mit dem Gott den Menschen umgibt und stärkt. Er ist sich seiner furchtbaren Situation bewusst und nimmt sie an (Strophe 3). Er lebt von der Hoffnung und dem Vertrauen, dass sein Leben allein in Gottes Hand liegt (Strophe 4+5) und so schließt er sein Gebetslied mit den uns bekannten Worten.
 
Mögen diese Zeilen Sie getrost durch das Neue Jahr geleiten!

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg