Geistlicher Impuls, 1. Advent

Geistlicher Impuls zum ersten Advent

Geistlicher Impuls zum ersten Advent

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls zum ersten Advent

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls zum 1. Advent senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Heute, am ersten Advent, beginnt das neue Kirchenjahr. Nun beginnt eine ganz besondere Zeit. Sie ist zu sehen und zu riechen. Der Adventskranz wird aufgestellt und Weihnachtsplätzchen werden gebacken. Leider ist es für viele auch eine stressige Zeit, obwohl es doch eine besinnliche und hoffnungsvolle Zeit sein soll, in der wir Ausschau halten sollen mit Zuversicht auf den, der kommen wird - Gott. In dem Wort „Zuversicht“ steckt das Wort sehen. Wir dürfen nach vorn sehen in eine Zukunft, von der wir etwas erwarten, auf die wir uns freuen. Wir bereiten uns innerlich und äußerlich auf Weihnachten vor, auf die Ankunft Gottes in seinem Sohn. Adventlich leben, sich adventlich vorbereiten, bedeutet, sich mit offenen Sinnen und einem empfänglichen Herzen auf das Gute einstellen, das Gott für uns bereitet hat.
„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, auf dass alle die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
Wir spüren diese besondere Sehnsucht und tiefe Freude der Erwartung besonders in unseren Adventsliedern. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Solche Vorbereitung, solche Freude und spannungsvolle Erwartung auf den Herrn der Herrlichkeit, ist ein Kennzeichen unseres christlichen Glaubens. So sind wir Christen durch und durch adventliche Menschen. Der Herr der Herrlichkeit kommt, darauf dürfen und können wir vertrauen. Durch alle Zeiten hindurch haben Menschen erfahren, dass Gott kommt, oft anders als wir es meinen. Er kommt zu uns durch Menschen, durch ein gutes Wort, durch eine Geste, durch ein liebevolles Lächeln. Gott hat viele Möglichkeiten. Der Advent erinnert uns an die erste Ankunft dieses Herrn und lädt uns ein, unsern Blick nach vorn zu richten auf die Wiederkunft; auf den Tag an dem der Herr der Herrlichkeit durch die offenen Tore und Türen kommen wird.

Deshalb
1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

4. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, euer Herz zum Tempel zubereit. Die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud; so kommt der König auch zu euch, ja, Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“: dieses Lied ist für mich seit Kindestagen im wahrsten Sinne der Türöffner in den Advent! „Macht hoch die Tür…“: entstanden ist dieses Lied vor fast 400 Jahren zur Einweihung einer Kirche. Der evangelische Pfarrer Georg Weissel hatte es zu diesem Anlaß verfasst. Inhaltlich nimmt dieses Lied Bezug zum Psalm 24. Am 1. Advent geht alles auf Anfang, beginnt ein neues Kirchenjahr, beginnt Gottes Heilsge-schichte für uns Menschen von vorne. Auch bringen wir ein Jahr voller Erfahrungen mit: schöne, leidvolle, triste, bunte… Wir brauchen das Evangelium vom kommenden Herrn, von Jesus Christus, um nicht zu versinken in den Schatten und im Dunkel dieser Welt. Ja, vieles worauf wir uns in dieser Zeit freuen, muss in diesem Jahr coronabedingt überdacht werden. Es gilt weiterhin, Abstand zu halten, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Doch wenn es um die Begegnung mit Jesus Christus geht, gibt es keine Abstandsregel zu beachten. Er möchte, dass wir ihm immer näherkommen, und er bewegt sich auf uns zu, kommt zu uns. Wer Sein Kommen erwartet, der kann sich nur freuen - eine Zeit voll der gespannten Erwartung.

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit..." Du, Herr, bist im Kommen. Komm Du auch zu uns: hinein in unsere Häuser und Familien, hinein in unsere Arbeitsstellen. Komm in unsere Fragen und Zweifel, in unsere Ängste und Sorgen, in un-sere Nöte, in unsere innere Armut - kehr Du mit Deinem Frieden aber auch dort ein, wo wir froh und glücklich sind!
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg