Geistlicher Impuls für Exaudi 2020

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls für Rogate 2020

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für Exaudi 2020 senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch. Noch ein kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich: weil ich lebe, werdet auch ihr leben.
Johannes 14, 15 - 19

Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende

Wir gehen mit großen Schritten auf das Pfingstfest zu. Doch im Vergleich zu Weihnachten und Ostern ist Pfingsten vielen völlig unbekannt oder unbedeutend.

Warum ist der Heilige Geist so unbedeutend oder gar unbekannt? Die Bibel weiß doch eine Menge über ihn zu berichten. Johannes nennt ihn den "Tröster“, den "Geist der Wahrheit".

Als Jesus von seinen Jüngern Abschied nehmen muss fragen sich die Jünger, wer die Lücke füllt, die er bei seinem Abschied hinterlässt? Doch Jesus wird sie nicht verwaist und allein zurücklassen. Er stellt ihnen den Heiligen Geist zur Seite. Auf die Frage, woran man den Heiligen Geist erkennt, sagt Jesus ganz klar „Er wird euch beistehen, er wird bei euch und er wird in euch sein. Er steht euch zur Seite, wenn ihr traurig, ängstlich, und voller Sorge seid“.

Wir können uns gut in die Lage der Jünger hineinversetzen. Das Gefühl des endgültigen Abschieds kennen wir. Wie oft haben auch wir diese tiefe Trauer durchlebt! "In der Welt habt Ihr Angst", sagt Jesus. Er weiß, wie trostbedürftig wir oft sind. Jesus weist dem Heiligen Geist deshalb die zentrale Aufgabe als unser Beistand zu. Jesus verspricht: "Er bleibt bei Euch und er wird in Euch sein". Wer Trost erfährt, schöpft neue Hoffnung. Gottes Geist wird von Johannes der "Geist der Wahrheit" genannt. Gottes Geist liebt die Vielfalt. Er ist wie das Leben, bunt und facettenreich. Ist es nicht tröstlich zu wissen, dass wir Gottes Geist in uns tragen, der uns Würde und Kraft verleiht? "Ich lebe und Ihr sollt auch leben", sagt Jesus (Joh.14, 19) und zeigt uns, was er unter Leben versteht. Zum Leben gehören Lebensmut und Lebenswille, Hoffnung und Trost. So können wir Frieden finden, uns wohlfühlen und brauchen keine Angst zu haben.

Jesus lässt uns an diesem Leben in seiner ganzen Fülle teilhaben. Das verspricht er uns, mit den Worten:

Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende.

Gebet:

Barmherziger, gnädiger Gott,
wir danken dir, dass du uns den Heiligen Geist als Trost zur Seite stellst.
So bitten wir Dich um neue Kraft und Zuversicht, um die Sorgen und Ängsten mit denen wir zu Zeit konfrontiert sind, zu bewältigen.
Bewahre alle, die sich für andere einsetzen, ja aufopfern.
Schenke Hoffnung den Bedrückten, Stärke den Mutlosen und Zuversicht den Verängstigten.
Unsere eigenen Bitten bringen wir vor Dich.

Stille
Wir bitten Dich, erhöre uns

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

Höre meine Stimme, Gott!

„Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen!“ – so heißt es im Wochenspruch für den kommenden Sonntag: Exaudi („höre meine Stimme, Gott”). Diesen Sonntag feiern wir zwischen Himmelfahrt und Pfingsten: Der erhöhte Herr hat seine Jünger verlassen, aber er wird sie nicht verlassen.

„Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen!“ Das ist die erstaunliche Aussage von Jesus. Ihm geht es um alle. Alle sollen zu ihm finden. Der Schlüssel dafür, dass das möglich wird, ist seine „Erhöhung“. Damit ist zunächst gemeint: Sein Sterben am Kreuz. Dort hing er erhöht, zwischen Himmel und Erde. Und zugleich ist es sein Wort für seine Auferstehung und seine Thronbesteigung.

Der erhöhte Jesus will die Menschen zu sich ziehen, auf wunderbare Weise. Durch seinen Geist. Aber auch durch uns. Wir dürfen mithelfen, dass Menschen zu ihm kommen. Wie damals die Jünger am See Genezareth die Netze noch einmal auswarfen, und dann erlebten, dass sie übervoll waren, so geschieht es immer wieder: Wo sie am Ende sind, und im Namen von Jesus noch einmal die Netze auswerfen, wird auf einmal ein großer Fang eingeholt.

Alle sollen zu Jesus finden. Wie das geschehen kann, das bleibt für uns ein Geheimnis. Aber dass das geschehen wird, das ist unsere Hoffnung. Es geht um alle. Und so steht am Ende die Frage im Raum, für unsere Arbeit im Stiftsverbund, in der Kirche und darüber hinaus: Haben wir wirklich alle im Blick? Wir sollen und dürfen es, weil Jesus alle im Blick hat.

Bleiben Sie alle gesund und behütet!
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg