Geistlicher Impuls für Pfingstsonntag 2020

Evangelisches Stift Freiburg Kapelle Fenster Bild 1920px

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Geistlicher Impuls für Pfingstsonntag 2020

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für den Pfingstsonntag 2020 senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 

Gastbeitrag von Prälat Dr. Helmut Barié

Dankenswerterweise haben wir von Herrn Prälat Dr. Helmut Barié einen Gastbeitrag für unseren geistlichen Impuls erhalten. Prälat Barié war Mitglied des Verwaltungsrates des Evangelischen Stift Freiburg und der Homiletiklehrer von Frau Pfarrerin Oehler. Wir haben uns sehr über seinen Beitrag gefreut. Er grüßt Sie alle sehr herzlich und schreibt:

„Du bist ein Geist der Freuden“

Was Paul Gerhardt vom Heiligen Geist sagt.

„Wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden“. So wird mitten in der Pfingstgeschichte (Apostelgeschichte 2, 11) von Lukas beschrieben, was uns durch das Pfingstfest geschenkt wird. Es geht um die Großtaten Gottes. Davon reden die Apostel Jesu, „erfüllt von dem heiligen Geist“. Sie reden nicht erfüllt vom Frust über das, was sie derzeit alles nicht dürfen. Sorgenvoll reden sie nicht, sondern geistvoll. „Erfüllt von dem heiligen Geist“ beschäftigen sie sich mit den großen Taten Gottes, nicht mit den Taten, die Menschen, speziell Politiker, endlich vollbringen sollten, weil’s höchste Zeit ist. Der heilige Geist lässt sie von Gott reden. Sie verkündigen „die großen Taten Gottes“.

Wo der heilige Geist Menschen erfüllt, lässt er ihnen Zeit. Zeit zum Hören, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Umdenken. Der heilige Geist ist das Gegenteil des eiligen „Zeitgeistes“, den morgen schon langweilt, was er gestern noch propagiert hat. Der heilige Geist redet von Gottes Großtaten.

Von großen Taten der Menschen gab es ohnehin nichts zu berichten. Das wissen wir aus der Passionsgeschichte. Die Jünger Jesu haben gepennt, als Jesus in der Todesangst vor seinem Leiden ihren Beistand gebraucht hätte. Später heißt es sogar: „Sie verließen ihn alle und flohen.“ (Mark 14,50) Vor Pfingsten wird über die Jünger Jesu gesagt: „Sie waren versammelt und die Türen waren verschlossen aus Furcht“ (Joh 20,19).

Nach Pfingsten klingt es anders. Das mutlose Häuflein der Jünger wurde am Pfingstfest „erfüllt von dem heiligen Geist“. Gott, der Herr, hat seine Verheißung aus dem Buch des Propheten Joel erfüllt: „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und Töchter sollen weissagen und eure Alten sollen Träume haben.“ Wahrlich eine gute Aussicht, wenn auch wir Alten noch Träume haben! Wenn wir, obwohl wir schon viel erlebt haben, dennoch Neues erwarten und Gott große Dinge zutrauen. Sogar die Ältesten unter uns! Auch sie sollen Träume haben. So wie Paul Gerhardt, der vom heiligen Geist gedichtet hat: „Du bist ein Geist der Freuden, von Trauern hältst du nichts, erleuchtest uns im Leiden mit deines Trostes Licht… Du Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt.“ (EG 133, 6 und 8)

Auch unsere Kinder und Enkelkinder können uns, erfüllt vom heiligen Geist, weissagen. Sie weisen uns auf Wahrheiten hin, die wir vergessen hatten. Etwa der vierjährige Carl im Gespräch mit seinem Papa: „Gott schläft nie! Kann er ja auch nicht.“ – „Warum?“ Carl: „Wir haben gesungen: ‚Er hält die ganze Welt in seiner Hand.‘ Wenn er einschlafen würde, dann würde er uns doch fallenlassen…“ Mit Worten aus Paul Gerhardts Lied zum Pfingstfest beten wir:
„Du Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt. Erhebe dich und steure dem Herzleid auf der Erd. Steh treulich uns zu Seiten; schmück wie mit einer Kron die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land.“
Amen
Paul Gerhardts Lied zum Pfingstfest
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.
Zu Pfingsten grüßen wir Sie herzlich mit der Bitte des Liedverses aus dem Evangelischen Gesangbuch (136, 1)
„O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein, verbreite Lichte und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.“
Evangelischen Gesangbuch 136, 1
Bleiben Sie alle gesund und behütet!
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg