Geistlicher Impuls, Sonntag Judika

Lasset uns beten

Lasset uns beten

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Sonntag Judika

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls zum Sonntag Judika senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Markus 10, 35-45
Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. Nur zu gut können wir das Anliegen der Jünger Jakobus und Johannes verstehen. Es beginnt doch schon im frühesten Kindesalter, der Erste sein zu wollen. Jesus tritt diesem so urmenschlichen Streben, das wir alle in uns tragen, ganz energisch und deutlich entgegen, wenn es sich in die falsche Richtung bewegt. Er zeigt seinen Jüngern und damit auch uns, wie dieses Verlangen auf ganz andere Füße gestellt werden kann, als auf die Basis von Egoismus. Er zeigt eine ganz neue Dimension für dieses Streben auf. Es ist ein neuer, höchst überraschender Weg. Jesus spricht den Menschen nicht ab, dass sie ganz vorn sein, ja dass sie groß und wichtig werden wollen, doch er will es in seine Bahnen lenken. Er geht diesen Weg und ist darin Vorbild. Das ist weder illusorisch noch unmöglich. Nicht jeder Weg ist gleich, doch ihm sollte immer das christliche Grundprinzip zugrunde liegen:
Wer unter euch groß sein will, der soll euer Diener sein.
Was Jesus seinen Jüngern so eindringlich sagt, sollten auch wir in unser Herz schreiben. Sich groß zu machen auf Kosten des Mitmenschen, ihn zu verunglimpfen, ihn zu verleumden, zeugt nicht von Größe und Macht. Echte Größe zeichnet sich dadurch aus, so wie Jesus es konkret benennt, sich in den Dienst des Anderen zu stellen. Ganz deutlich sehen wir es daran, dass er seinen Jüngern die Füße wäscht. Jesus, der Sohn Gottes, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gehört, ist sich nicht zu schade, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Symbolhaft nimmt das Papst Franziskus jedes Jahr in der Passionszeit auf, indem er Menschen die Füße wäscht, die am Rande der Gesellschaft leben. Jesu Worte haben es - wie so oft - in sich und stoßen nicht unbedingt auf Begeisterung. Es ist eine unglaubliche Herausforderung. Wer macht sich gern klein? Und dennoch ist dieser Weg zu bewältigen, so steinig er manchmal auch sein mag. Jesus selbst ist ihn gegangen und sagt, dass er viel mehr auf sich genommen habe als das, was er hier von uns erwartet.
Martin Luther nimmt diese Worte Jesu sehr ernst und formuliert sie in der ersten These seines Buches „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ so: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Geben wir - ob hier im Stift oder Zuhause - Halt durch Respekt, Wertschätzung, Anerkennung und Nachsicht! Verhalten wir uns solidarisch unseren Mitmenschen gegenüber, besonders in schwierigen Zeiten! Die Umkehrung des Prinzips vom Herrschen und Dienen versetzt uns in die Lage, mit unserer Autorität und unserem Handeln zu überraschen und positiv für andre da zu sein. Nur so können wir lebensdienliche und relevante Impulse setzen.

Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen,
dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Lied 76

1. O Mensch, bewein dein Sünde groß, darum Christus seins Vaters Schoß äußert und kam auf Erden; von einer Jungfrau rein und zart für uns er hier geboren ward, er wollt der Mittler werdenden. Den Toten er das Leben gab und tat dabei all Krankheit ab, bis sich die Zeit herdrange, dass er für uns geopfert würd, trüg unsrer Sünden schwere Bürd wohl an dem Kreuze lange.
2. So lasst uns nun ihm dankbar sein, dass er für uns litt solche Pein, nach seinem Willen leben. Auch lasst uns sein der Sünde feind, weil uns Gotts Wort so helle scheint, Tag, Nacht danach tun streben, die Lieb erzeigen jedermann, die Christus hat an uns getan mit seinem Leiden, Sterben. O Menschenkind, betracht das recht, wie Gottes Zorn die Sünde schlägt, tu dich davor bewahren!
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg