Geistlicher Impuls Misericordias Domini

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls Misericordias Domini

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls Misericordias Domini senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
1. Petrus 2,21-25
Christus hat euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr seinen Spuren folgt;
Er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; der unsere Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Christus hat euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr seinen Spuren folgt.
Wie tröstlich, dass Jesus Christus solche sichtbaren Spuren in seinem irdischen Leben für uns hinterlassen hat. So haben wir eine Orientierung in und für unser Leben und Handeln. Jesu, der von sich sagt: „ich bin der gute Hirte“, hat viele Menschen aufgerichtet, hat sie an Leib und Seele geheilt, hatte ein offenes Ohr für Ihre Sorgen und Nöte. Er hat die Menschen in ihrer Ganzheit wahrgenommen (Matthäus 9 1ff.). Jesus hat sein Leben, sein Sterben und sein Auferstehen ganz in den Dienst des Nächsten gestellt.
So wird an uns heute die Frage gestellt: wo wir seinem Vorbild folgen, wo und wie gehen wir in seinen Spuren mit unserem Handeln? Jesus kann uns Vorbild sein, weil er die Ängste der Menschen selbst erfahren hat „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“. Selbst die tiefsten Tiefen des Lebens blieben ihm nicht erspart, bis zum Tod am Kreuz. Auch die Verleugnung (Petrus) und der Verrat (Judas) durch seine engsten Vertrauten musste er bitter erleben. Weil ihm im Leben nichts erspart blieb, kann er uns Vorbild sein und wir können seinen Spuren folgen. Er überfordert uns nicht, da wir keinem unerreichbaren, perfekten Vorbild folgen müssen, dürfen wir getrost seinem Vorbild folgen

Christus hat euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr seinen Spuren folgt.
Ich habe eine eindrucksvolle Geschichte gelesen: „Der alte Mann heißt Daniel. Er lebt in einem afrikanischen Dorf. Daniel ist klug und weise. Die Leute schätzen dies an ihm. Sie holen sich bei ihm gerne Rat und Auskunft. – Eines Tages fragt ihn jemand: „Sagt mal, Daniel, ob es Gott wohl gibt?“ – Daniel antwortet: „Woran erkennst du, ob nachts ein Leopard um deine Hütte geschlichen ist?“ „An den Spuren natürlich, antwortet der Fragende. „Siehst du“, sagt der alte Daniel, „dass es Jesus Christus gibt, erkennst du an den Spuren, in deinem Leben“.
Lied 384
1. Lasset uns mit Jesus ziehen, seinem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen auf der Bahn, die er uns brach, immerfort zum Himmel reisen, irdisch noch schon himmlisch sein, glauben recht und leben rein, in der Lieb den Glauben weisen. Treuer Jesu, bleib bei mir, gehe vor, ich folge dir.
2. Lasset uns mit Jesus leiden, seinem Vorbild werden gleich; nach dem Leide folgen Freuden, Armut hier macht dorrten reich, Tränensaat, die erntet Lachen; Hoffnung tröste die Geduld: Es kann leichtlich Gottes Huld aus dem Regen Sonne machen. Jesu, hier leid ich mit dir, dort teil deine Freud mit mir!
4. Lasset uns mit Jesus leben. Weil er auferstanden ist, muss das Grab uns wiedergeben. Jesu, unser Haupt du bist, wir sind deines Leibes Glieder, wo du lebst, da leben wir; ach erkenn uns für und für, trauter Freund, als deine Brüder! Jesu, dir ich lebe hier,


"Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben." (Joh 10,11a.27–28a)

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. - Daran erinnert uns der Wochenspruch für den 2. Sonntag nach Ostern (Misericordias Domini). Seinen Ruf hören, seinen Wegen folgen, seinem Geleit trauen, nicht nur ein Leben lang, sondern noch weiter: in den Tod und durch den Tod hindurch in die Ewigkeit, in sein Reich.

Manchmal wünsche ich mir das: einen, der für mich sorgt, der mir den rechten Weg zeigt und mich unbeschadet durch Gefahren führt, einen, der meinen Durst nach Leben stillt und nach mir sucht, wenn ich verloren gehe. Das Bildwort vom "guten Hirten" spricht uns Menschen an, es tut gut, weckt Gefühle von Geborgenheit, schafft Trost und Sicherheit tief in unserer Seele. Andererseits wollen wir aber keine Herdentiere sein und "Schafe" schon gar nicht. Und rechnen wir wirklich damit, dass ein "guter Hirte" kommt, der uns durch das Dickicht des Lebens führt?

Der gute Hirt ist schon längst da, seine wegweisenden Worte dringen nur nicht immer an unser Ohr. Doch einer ist da, der mir nachgeht, der mir aufhilft, der mich sicher leben lässt. In diesem "guten Hirten" darf ich mich aufgehoben und geborgen wissen und dies in einer Welt mit so viel Angst und Schrecken.

Wir beten: Wir danken dir, dass du unser guter Hirte bist. Lass uns deine tröstenden und ermutigenden Worte im Sprachengewirr unserer Zeit wahrnehmen. Amen.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg