Geistlicher Impuls, Sexagesimae

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Sexagesimae

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls zum Sonntag Sexagesimae senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Der Sämann Lukas 8, 4-8. 9-15
4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis:
5 Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf.
6 Und einiges fiel auf den Felsen; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s.8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Mit diesem Gleichnis verbinde ich viele Erinnerungen, ganz besonders mit meinen Schülern in einem Einschulungsgottesdienst in Portugal. Ich hatte dieses Gleichnis als Predigttext und fragte meine Schüler, was denn wohl die Aufgabe eines Sämanns sei. Von den Antworten war ich zu nächst überrascht. Denn sie lauteten: „Er fährt auf einem Schiff, er fängt Fische, er ist mit dem Boot auf dem Meer“. Da wurde mir plötzlich klar, dass die Schüler phonetisch einen Seemann assoziierten. Sämann und Seemann waren ja auch leicht zu verwechseln. Seither muss ich immer daran denken, wenn ich dieses Gleichnis lese. Der Same fällt auf gutes Land. Wir selbst sind das gute Land, das Gott für den Glauben an ihn vorbereitet hat. Dieser findet Resonanz in einem aufgeschlossenen Herzen und bringt Frucht, aber mit Geduld. Dabei ist letztere von Bedeutung. Die Saat braucht Zeit, um zu reifen. Bis zur Ernte wird Zeit vergehen und bis zur Ernte braucht das Feld viel Aufmerksamkeit und Pflege. So sollen auch wir durch Gottes Wort wachsen. Liebe und Güte können sich entfalten. Mit all unserem Verstand und mit allen Sinnen dürfen wir das Wort aufnehmen und umsetzen. Bei der Verinnerlichung und Umsetzung des Wortes Gottes würden wir uns sicher manchmal wünschen, es möge schneller gehen. Gerade in unserer digitalisierten Zeit, in der alles immer schneller geht, braucht es Besinnung und Entschleunigung. Der Prediger sagt: “Alles hat seine Zeit“. Diese Zeit sollten wir uns immer wieder von neuem bewusst nehmen. Das könnte heißen, dass wir unsere Handlungen überdenken, uns vielleicht für neue Wege entscheiden oder uns umorientieren. Gottes Wort ist nie ohne Wirkung, wenn wir sein Wort hören und uns danach richten.

Dieses Gleichnis ist eines meiner Lieblingsgleichnisse, denn es ist das einzige, das Jesus uns selbst erklärt. Das Gleichnis bedeutet: Der Same ist das Wort Gottes. Die auf dem Weg sind, sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die auf dem Felsen sind die, die das Wort hören und es mit Freuden annehmen. Doch sie haben keine Wurzeln. Eine Zeitlang glauben sie, doch zu Zeiten der Anfechtung fallen sie ab. Was unter die Dornen fiel sind die, die das Wort hören, aber es unter ihren Sorgen, dem Reichtum, den Freuden des Lebens ersticken und keine Frucht bringen.

Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
Lied. 198
1. Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir; denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist’s nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun.
2. Halleluja, Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn, dass ich mög in deinem Namen fest bei deinem Worte stehn. Lass mich eifrig sein beflissen, dir zu dienen früh und spat, und zugleich zu deinen Füßen sitzen, wie Maria tat.

„Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht,“ (Hebr 3,15) mahnt der Spruch dieser Woche. Das Wort Gottes und seine Wirkung stehen im Zentrum des Sonn-tags Sexagesimae. Wer nicht auf Gott hören will, wird ihn nicht hören und stellt die Ohren auf „Durchzug“, wenn jemand etwas von Jesus sagt. - Über Gottes Stimme, über sein Reden kann keiner verfügen. Aber wir können sie bewusst suchen. Im Evangelium ist Gottes Stimme zu hören. Jesus Christus ist das Mensch gewordene Wort Gottes. Manchmal hören wir Gottes Stimme ohne sie gesucht zu haben, mitten im Alltag, in Gesprächen, durch Ereignisse, im Gewissen. Plötzlich sind wir tief bewegt und im Herzen angesprochen. Und dann wissen wir, dass jetzt indirekt Gott zu uns redet. Und dann? Dann gilt es, zu vertrauen und zu folgen!

So viel Gutes und Aufbauendes hat uns Gott bereits sagen lassen. Wir haben´s sogar schriftlich. Aber auch Warnungen kommen aus seinem Herzen, das uns lieb hat. Gott selbst helfe uns, unter dem vielen, was uns umgibt, seine Stimme zu vernehmen; dass wir von dem, was unser Herz uns vorhält an Angst und Sorge, frei werden durch sein Wort; dass über allem, was unser Verstand vorrechnen mag, wir seiner Verheißung trauen.

Gott helfe uns zu hören, damit unser Leben sich seiner Güte öffnet, unsere Augen für seine Freundlichkeit aufmerksam werden, unsere Hände tun, was er von uns erwartet.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg