Geistlicher Impuls, Silvester

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Silvester

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Wieder geht ein besonderes, ein herausforderndes Jahr zu Ende. Heute schließen wir das Jahr 2021 ab. Vieles ist anders verlaufen als geplant und erhofft. Die Worte des Weihnachtsevangeliums „Fürchtet euch nicht!“ aus dem Mund der Boten des Himmels haben viele ganz neu gehört. Einmal mehr spüren wir, wie sehr wir festen Boden unter den Füßen brauchen, um auf dem Weg durchs Leben nicht ins Straucheln zu kommen.
Mir fehlte und fehlt besonders die Begegnung, die Gemeinschaft und der Kontakt mit vielen lieben Menschen. Vieles durften wir nicht ausleben. Viele unserer Pläne wurden vereitelt. Und für viele von uns war es eine stressige Zeit.
Zwar war manches „zwangsentschleunigt“, wie die Weihnachtsfeierstage, aber für viele auch einsamer, anstrengender und belastender als sonst. Die Sorgen und Ängste sind gestiegen, nicht nur persönlich, sondern auch gesellschaftlich. Spaltung und Polarisierung haben zugenommen in unserem Land.

Paul Gerhardt hat 1653 ein Lied zum Jahreswechsel geschrieben (EG58):

1. Nun lasst uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben.

2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen

3. durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken.
Als verlässlicher Begleiter soll uns das beim Übergang ins neue Jahr begleiten. Paul Gerhardt dankt Gott dafür, dass er bis zum heutigen Tag Kraft gegeben hat: dass er das Leben bewahrt hat und es gelingen ließ. Gerhardt verschließt aber auch nicht die Augen vor den Dunkelheiten der Welt, die zum Leben jedes Menschen gehören.

Wie wird es 2022 weitergehen? Was wird das neue Jahr mit dem Corona-Virus anders machen als 2020 und 2021? Im Matthäus-Evangelium erzählt Jesus folgendes Gleichnis: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker sät. Sein Feind kommt unbemerkt in der Nacht und sät Unkraut zwischen den Weizen. Als die Saat wuchs und Frucht brachte, wuchs auch das Unkraut. Die Knechte wollen das Unkraut ausjäten. Aber der Ackerbesitzer sagte: Nein! Denn wenn ihr das Unkraut ausjätet, dann rauft ihr ja auch den Weizen mit aus. Lasst beides wachsen. Erst bei der Ernte will ich das Unkraut bündeln lassen und es verbrennen, aber den Weizen sammle ich in meiner Scheune.
Vielleicht ist Corona ein bisschen wie dieses Unkraut, von dem Jesus spricht. Es ist nichts, was wir uns gewünscht haben. Es ist nichts, was wir selbst gesät haben. Nein, es ist einfach da und plagt uns. Wir können es nicht abstellen oder herausreißen, weil es nun mal in unserer Welt ist. Wir können uns drehen und wenden und impfen lassen, es wird uns immer noch begleiten, auch ein gutes Stück ins neue Jahr hinein. Aber irgendwann wird dieses Unkraut Corona vom Weizen abgesondert werden können. Irgendwann finden wir das Mittel, dass das Unkraut bündeln und gefahrlos machen kann. Bis dahin müssen wir mit dem Unkraut leben. Wir müssen an unsere eigenen Wurzeln denken und an unser Wachstum. Wir müssen und dürfen die Sonne genießen und das Wasser aufnehmen. Wir haben eine Aufgabe und einen, der uns hegt und pflegt.

„Nun lasst uns gehen und treten…“ Wir hoffen darauf, wie Paul Gerhardt es gedichtet hat, dass Gottes Augen wachen – über unserem Tun und Machen. So tun wir auch im neuen Jahr das Unsere dazu, dass es mit Gottes Hilfe gut wird. Lassen Sie uns in das neue Jahr gehen im Vertrauen darauf, dass Gott da ist und uns beschützt und uns den Weg zeigt.

EG 58:11 Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Jahr 2022!

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg