Geistlicher Impuls Kantate

Evangelisches Stift Freiburg
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Geistlicher Impuls Kantate

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls Kantate senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
331 Großer Gott, wir loben dich

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.
2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh »Heilig, heilig, heilig!« zu.
3. Heilig, Herr Gott Zebaoth! Heilig, Herr der Himmelsheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.
9. Sieh dein Volk in Gnaden an. Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe; leit es auf der rechten Bahn, dass der Feind es nicht verderbe. Führe es durch diese Zeit, nimm es auf in Ewigkeit.
10. Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen. Rett aus Sünden, rett aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott!
11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: Lass uns nicht verloren sein.

Die erhebende Melodie dieses Liedes öffnete die Herzen und eröffnet einen Raum, an dem Gottes Gegenwart besonders spürbar wird. Es ist, kann man sagen, das große Loblied des Abendlandes, das Loblied auf Gott, das Te Deum. Seine Provenienz reicht bis ins 4 Jahrhundert und wurde dort schon in der Gemeinde gesungen. Es wird rund um den Globus gesungen und verbindet die Christen aller Konfessionen. Man kann sagen, es vereint uns Christen in der Ehrfurcht vor Gottes Größe und Verlässlichkeit. Es schenkt Vertrautheit und Geborgenheit, weil es wohl das allerbekanntest geistliche Lied ist. Es wird oft bei Kasualien gewünscht, sei es bei der Taufe, der Trauung und auch bei der Beerdigung, weil es ein vertrauter Wegbegleiter ist. Gewiss wird in unserem Lied die Unverfügbarkeit Gottes in seiner Größe betont, der von den Seraphinen und Cherubinen umgeben ist und so der große Abstand zwischen Gott und uns Menschen deutlich sichtbar wird. „Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.“ Inmitten der Ehrfurcht vor der Unverfügbarkeit wird nun zugleich als tragender Grund-ton die Geborgenheit und Zuwendung spürbar, die von Gottes Größe ausgeht. „Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.“ Und diese Verlässlichkeit hat sich in der Zuwendung seines Sohnes Jesus Christus offenbart. So kann dieses Lied zu einem Gebet werden, das die wichtigsten Aspekte unseres Lebens aufnimmt und mit der Bitte und Hoffnung endet:
“ Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: Lass uns nicht verloren sein.“
Das ist nun der 2. Kantatensonntag, an dem wir schmerzlich erleben, was die Einschränkung durch die Pandemie für unsere Kirchenmusik und besonders unserer Kirchenmusiker bedeutet.
Die Musikerin Franziska Jacknau schreibt dazu:

In meinem Terminkalender steht für den Sonntag Kantate oft „Kantatengottesdienst BWV 190, Singet dem Herrn ein neues Lied!“
Wie sehr ich mich nach dieser Stimmung sehne: Es ist früher Sonntagmorgen. Gleich beginnt die kurze Durchlaufprobe. Ich bin schon von weit angereist, müde und mich fröstelt es in der kühlen Kirche. Es ist aber auch ein fröhliches Wiedersehen mit Kollegen aus nah und fern. Ihnen geht es wie mir und hier und da fällt das humorige Wort unter Freiberuflern „Hätten wir es mal nicht gemacht…“
Es ist eng im Altarraum für die große Besetzung mit drei Trompeten, Pauken, drei Oboen, den Streichern, Basso continuo, Solisten und Chor. Ich sitze mit meiner langen Barocktrompete zwischen den Bratschern vor mir, denen ich lieber nicht direkt in die Ohren spielen sollte und den Choristen hinter mir, deren Atem ich im Nacken spüre. Noch quasseln die Sänger durcheinander, bis der Kantor ein Machtwort spricht und das Einsingen anleitet. Die Probe beginnt. Es dauert nur wenige Takte, dann verschmilzt das Orchester mit Bachs Partitur zu einem einzigen Jubel, in den schließlich der Chor entfesselt einstimmt. Es ist nicht mehr früh, nicht mehr kalt, nicht mehr eng, es ist nur noch „Bach“, diese wunderbare Musik… Wie sehr vermisse ich diese Quelle der Kraft! Zum zweiten Mal hintereinander wird es ein allzu stiller Sonntag Kantate werden und mir kommt ein Text aus einer anderen Bachkantete in den Sinn: „Mensch nimm dich wohl in Acht, wenn das Glück dir lacht. Denn es kann leicht auf Erden vor Abend anders werden, als man am Morgen sich gedacht“ singt die Altstimme in der Kantate „Wo gehest du hin“ (BWV166). Bach schrieb diese für den 4.Sonntag nach Ostern - Kantate! Damals war dieser Sonntag noch nicht der Festtag der Kirchenmusik (die fand ohnehin jeden Sonntag statt), sondern ganz dem Ostergeschehen zugewandt. Als Schlusschoral wählte Bach: „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!“ (EG 530)
Das lehrt mir Demut und gibt mir Trost und Zuversicht in dieser Zeit!
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg