Geistlicher Impuls. 18. Sonntag nach Trinitatis

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Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, 18. Sonntag nach Trinitatis

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für den 18. Sonntag nach Trinitatis senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Epheser 5, 15 - 21

(15) Seht nun genau zu, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise.

(16) Kauft die gelegene Zeit aus, denn die Tage sind böse.

(17) Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.

(18) Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geist,

(19) indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt.

Die Gemeinden, die Paulus gegründet hatte, lagen ihm sehr am Herzen, und er blieb mit seinen Briefen mit ihnen verbunden. Die Briefe waren dazu gedacht, im Gottesdienst verlesen zu werden. Der Epheserbrief ging an alle Gemeinden in der heutigen Türkei. Damals war es die Provinz Asia und deren Hauptstadt Ephesus, eine Hafenstadt nahe dem heutigen Izmir. Seine Briefe waren so wichtig für die Gemeinden, dass sie abgeschrieben und untereinander weitergereicht wurden. Als Beauftragter Jesu Christi, wie er betont, versucht er, Ihnen Leitlinien für ihr Leben zu geben. So ist für ihn von großer Relevanz auf die Lebensführung und Lebenseinstellung der Christen zu achten. „So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise“. Unsere Zeit versucht, uns ganz und gar zu vereinnahmen. „Kauft die Zeit aus, denn es ist eine böse Zeit“. Viele Dinge wollen uns abhalten auf Gottes Wort zu hören und es umzusetzen. Wir haben uns oft nur selbst im Blick und sehen nicht unseren Nächsten, für den wir, wie wir es beim barmherzigen Samariter gehört haben, verantwortlich sind. „Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist“, mahnt uns Paulus und bezeugt damit ganz deutlich, dass seine Worte viel mehr sind als die Ratschläge eines erfahrenen Mannes. Es ist der Wille des Herrn, den er den Gemeinden verkündet, und daran kommen auch wir nicht vorbei, wenn wir ein erfülltes Leben haben wollen. So können wir aus Gottes Wort, Paulus spricht die Psalmen an, immer wieder lernen, wie wir als Weise nach Gottes Willen leben und uns verhalten sollen. Das Wichtigste ist im höchsten Gebot kurz und prägnant zusammengefasst;

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Und deinen Nächsten, wie Dich selbst. (Math.22, 37) ."

EG 419
1. Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens, dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.
2. Hilf, Herr meiner Tage, dass ich nicht zur Plage, dass ich nicht zur Plage meinem Nächsten bin.
3. Hilf, Herr meiner Stunden, dass ich nicht gebunden, dass ich nicht gebunden an mich selber bin.
4. Hilf, Herr meiner Seele, dass ich dort nicht fehle, dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.
5. Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens, dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.
(Text: Gustav Lohmann 1962; Str. 3 Markus Jenny 1970)
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Der Wochenspruch für den 18. Sonntag nach Trinitatis steht in 1. Johannes 4, 21:

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Mit dem Bruder in diesem Vers ist nicht ein Verwandtschaftsverhältnis gemeint, sondern der Mensch, der mir als Nächster begegnet. Das Thema dieses Sonntags ist also im weiteren Sinn die Nächstenliebe. Diese beginnt bei den Menschen, mit denen wir tagtäglich zusammenleben, aber sie endet dort nicht. Jeder Mensch, der uns direkt begegnet, ist ein Nächster - in unserer globalisierten und digitalisierten Welt, sogar jeder Mensch... Warum brauchen wir eigentlich Menschen um uns? Warum brauchen wir unsere Nächsten – im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch die “fernen Nächsten”? Wir brauchen sie, weil sie einfach da sind, wenn sie gebraucht werden. Unsere Nächsten brauchen nicht nur uns, damit wir für sie da sind. Auch wir brauchen unsere Nächsten. Wir Menschen sind Wesen, die Gemeinschaft brauchen. Wir brauchen einander und deshalb ist es gut, wenn da Menschen um uns sind. Ich bin dankbar für die Menschen in meinem Leben, weil sie mich auf meinem Lebensweg begleiten. Sie sind an meiner Seite in schwierigen Zeiten, sie helfen, packen mit an, richten mich wieder auf. Wir sind aber auch zusammen und feiern die Feste, wie sie fallen, und das Leben, weil es schön ist. Wir brauchen die Menschen um uns, weil wir voneinander lernen können, uns gegenseitig auf Fehler aufmerksam machen und so zusammen zu „besseren“ Menschen werden können. Die Annahme und Akzeptanz, die wir in Partnerschaft, Familie und unter Freunden erfahren ist eine Grundlage für ein gutes und zufriedenes Leben. Wissenschaftler meinen sogar, dass es das Leben verlängern kann. Schließlich brauchen wir Menschen um uns, weil uns das Glauben, Hoffnung und Liebe bringt.

Glaube – Weil Gutes in der Welt ist, solange es solche Menschen gibt.
Hoffnung – Weil unser Leben und diese Welt eine Zukunft hat, wenn solche Menschen da sind.
Liebe – Weil alle es dringend brauchen, geliebt, angenommen und wertgeschätzt zu werden

Bleiben Sie alle gesund und behütet!
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg