Geistlicher Impuls, Totensonntag

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Totensonntag

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
1
So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt; eo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2
In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3
Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!
Dieses Lied von Julie Hausmann aus dem Jahr 1862, einer Erzieherin aus Riga und späterer Musiklehrerin in St. Petersburg, gehört zu den bekanntesten Liedern in unserem Gesangbuch. Es steht in seiner Bekanntheit neben „Großer Gott wir loben dich“ EG 331 und „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ EG 317. In meiner Dienstzeit kam es häufig vor, dass Brautpaare sich dieses Lied für ihre Trauung wünschten. Das war mir, der Pfarrestochter, zunächst völlig unverständlich, da es für mich von Kindheit an, ein Beerdigungslied war. In den Gesprächen stellte sich schnell heraus, dass sich das Brautpaar nur auf die erste Strophe fokussiert hatte. „So nimm denn meine Hände und führe mich …“.
Auf meine etwas provokative Frage, ob sie denn schon den Tod vor Augen hätten, war erst einmal eine Stille. Ich habe dann im Gespräch versucht, dem Brautpaar das Lied als Ganzes vor Augen zu führen. Danach war dieses Lied, als Lied für ihre Tauung, gestrichen.

„So nimm denn meine Hände…“ löst gerade bei Krankheit, nahem Tod und beim Abschiednehmen unglaubliche Emotionen in uns aus. Es spricht mit seinen einfachen Worten das Innerste im Menschen an. Gerade am Krankenbett oder beim Sterben wird hier der Wunsch des Menschen nach Halt und Geborenheit aufgenommen. Wie oft durfte ich die unglaublich trostreiche Wirkung in vielen Situationen erfahren. Erfahren, wie Sterbende ganz ruhig wurden und ihre Angehörigen loslassen konnten. Dieses unglaubliche Gottvertrauen und den Menschen in seinen Fragen ernstnehmen, „Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht“ um dann zu dem Bekenntnis kommen „du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht“, gibt Halt.

Bis heute hat dieses Lied nichts von seiner Bekanntheit bei Jung und Alt verloren und wird noch oft gewünscht. Es hat auch von seiner Wirkung nichts verloren, vielleicht und gerade deshalb, weil es in so einfachen schlichten Worten treffend formuliert wurde.

Mit der Bitte, wie das Lied begonnen hat, endet es auch .
„So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!“
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg