Geistlicher Impuls, Trinitatis 2020

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Trinitatis 2020

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls für Trinitatis 2020 senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich. Ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich. Der HERR ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist unausforschlich. Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen. Sie sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht; deinen Wundern will ich nachsinnen. Sie sollen reden von deinen mächtigen Taten, und ich will erzählen von deiner Herrlichkeit; sie sollen preisen deine große Güte und deine Gerechtigkeit rühmen.

Gnädig und barmherzig ist der HERR, Geduldig und von großer Güte.
Psalm 145

Gottes Gnade

Mit den 150 Psalmen in der Heiligen Schrift haben wir einen unglaublichen Schatz an Gebeten. Alle Lebesituationen werden darin aufgenommen. Sei es Freude „Du schenkst mir Freude ins Herz“. Ps.4, Dank „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich. Ps.118,1“, Verzweiflung „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ps.22,2“, Hoffnung „Herr, deine Güte reicht soweit der Himmel ist und deine Wahrheit soweit die Wolken gehen“. Psalm 36,1“, Urvertrauen „Der Herr ist mein Hirte, mit wird nichts mangeln“. Ps.23,1 oder „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“. Ps.139,12. Unzählig viele Bilder und Vergleiche, die unser Leben betreffen, werden in Worte gefasst und zeigen, worauf es ankommt. „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen“. Ps.37,5.

Unser heutiger Psalm ist der letzte, der König David zugeschrieben wird. In ihm steht das Königtum Gottes im Mittelpunkt. Hier wird seine Größe und seine unermessliche Macht und Güte beschrieben, mit der er sich uns Menschen zuwendet.

Der Psalmist spricht von Gottes Gnade, Güte und Barmherzigkeit. Daraus wird der Schluss gezogen: Dieser Gott muss gelobt werden, und zwar täglich. Gott ist jemand, auf den sich Menschen verlassen können, der zu seinem Wort und seinen Verheißungen steht, der jedem mit Güte und Erbarmen begegnet; Gott schenkt Trost und Halt. Er richtet besonders die auf, die gefallen und niedergeschlagen sind. Diese Erfahrungen sollen wir weitergeben, wie Jesus und seine Jünger all dies weitergegeben haben. So dürfen auch wir unsere Stimmen erheben und täglich neu in dieses Lob und in diesen Dank an Gott miteinstimmen.

Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Kommunikation mit Gott - Gedanken zu Psalm 145

In was für einer großartigen Zuversicht dürfen wir leben, Herr, in welcher Gewissheit! Du bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte - Du bist und bleibst uns unbegreiflich nah. Du hältst und hilfst uns, selbst dann, wenn wir deine Gegenwart nicht spüren. Wie gehen wir aber dann damit um, wenn wir keine Antwort Gottes wahrnehmen?

Ich bin überzeugt, dass unsere Gebete, in welcher Form auch immer, bei Gott ankommen. So heißt es auch in Psalm 145, 18: "Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen." Die Nähe Gottes wird uns versprochen, nicht das alle Wünsche erfüllt werden. Gott ist kein Wunscherfüllungsautomat. Schon die Psalmbeter machten die Erfahrung, dass die Antwort Gottes auch mal ausbleibt. Sie richteten sich dann mit der verzweifelten Frage an ihn: "Warum hast du mich verlassen?" Diese Erfahrung, dass wir Gott nicht immer erfahren können, gehört zum Glauben dazu und ist eben kein Defizit oder Mangel oder gar ein Zeichen von Unglaube.

Auch Martin Luther erfuhr, wie es ist, wenn Gott nicht antwortet. Seine Haltung dazu: "Wir sollen nicht gleich auf den ersten Streich Mut und alle Hoffnung fallen lassen, sondern man muss durchhalten, beten, suchen und anklopfen."
 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg