Geistlicher Impuls, Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
EG 425 - Gib uns Frieden jeden Tag
(Text: Str.1: Rüdeger Lüders, Str.2+3: Kurt Rommel, Melodie: Rüdeger Lüders)

425:1 Gib uns Frieden jeden Tag! Lass uns nicht allein. Du hast uns dein Wort gegeben, stets bei uns zu sein. Denn nur du, unser Gott, denn nur du, unser Gott, hast die Menschen in der Hand. Lass uns nicht allein.

425:2 Gib uns Freiheit jeden Tag! Lass uns nicht allein. Lass für Frieden uns und Freiheit immer tätig sein. Denn durch dich, unsern Gott, denn durch dich, unsern Gott, sind wir frei in jedem Land. Lass uns nicht allein.

425:3 Gib uns Freude jeden Tag! Lass uns nicht allein. Für die kleinsten Freundlichkeiten lass uns dankbar sein. Denn nur du, unser Gott, denn nur du, unser Gott, hast uns alle in der Hand. Lass uns nicht allein.
Heute feiern wir den „Vorletzten Sonntag des Kirchenjahres“ – „Volkstrauertag“ oder „Friedenssonntag“ lauten andere Bezeichnungen für diesen Sonntag. Heute ist der Tag um uns zu erinnern an all die Opfer von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft. Der Tag, an dem überall Kränze niedergelegt werden und symbolisch Mohnblüten, Vergissmeinnicht und Kornblumen für die Opfer getragen werden. Aber auch Friedensgebete finden heute statt: für den Frieden in der Welt, für den Frieden in unserem Land, für den Frieden in unseren Seelen.

Längst hat nicht mehr jeder der vielen Kriegstoten der beiden Weltkriege noch Angehörige, die sich an ihn oder sie erinnern, längst nicht jeder der mindestens genauso vielen anderen Opfer von Gewalt und Krieg überall auf der Welt ist mit Namen irgendwo verzeichnet, wird betrauert und von jemanden vermisst. – Und es ist bitter, wenn Mitmenschen von uns durch Gewalt, Terror und Krieg sterben mussten. Aber: beides, Krieg und Gewalt, sind keine Schicksalsmächte. Sie brechen nicht einfach aus, ungewollt wie eine Krankheit, sondern weil Politik scheitert, weil Menschen versagen, weil Menschen anfällig sind für Fehlentscheidungen und für Schuld. Der Mensch ist von Gott zur Freiheit in Verantwortung befähigt – aber er ist auch fehlbar.

Wenn wir in Frieden leben wollen, müssen wir das Gemeinsame in unseren Ländern, in den Kirchen, auch in den persönlichen Problemen und Auseinandersetzungen neu entdecken und so Schritt für Schritt Trennendes überwinden. Deshalb sollten wir in Gedanken zu den Opfern, derer wir heute gedenken, auch die einreihen, die Opfer unserer zwischenmenschlichen, alltäglichen, scheinbar kleinen Gewalt geworden sind.

Vielleicht gelingt es uns heute, zu Ehren der Toten und Opfer von Krieg und Gewalt, überall auf der Erde einen Konflikt unseres Alltags zu begraben. Eine Feindschaft zu beenden. Eine Initiative zu ergreifen für Humanität und Gerechtigkeit – ganz im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten.

Jesus hat uns aufgefordert, vielleicht sogar herausgefordert: liebt nicht nur die, die euch Gutes tun! Eure Feinde sollt ihr lieben. Jesus hat gewusst, dass er damit mehr von uns verlangt, als ein normales Menschenherz zu leisten in der Lage ist.

Aber Feindesliebe hat nicht nur etwas mit dem Herzen zu tun, ist nicht nur Emotion und die richtige Gesinnung. Feindesliebe fordert vor allem auch den Verstand und dass man handelt. „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Mt 5, 9). - Selig sind, die Frieden stiften. So einfach und kurz, und doch so selten erfüllt.

Lassen Sie uns als Mitmenschen und Nachkommen der Opfer der Kriege, als Brüder und Schwestern aller, die durch Gewalt leiden oder gar zu Tode gekommen sind, lassen sie uns im Rahmen unserer Möglichkeiten zu Friedensstiftern werden.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg