Geistlicher Impuls, Vorletzter Sonntag

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem Tag

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem Tag

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls, Vorletzter Sonntag

Eine andere Form des geistlichen Impuls

Da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls zum vorletzten Sonntag senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
Römer 8,18-23
Hoffnung für die Schöpfung und Gewissheit des Heils. Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.
Paulus sagt kurz und knapp:
1. Die Leiden dieser Zeit ändern nichts an der Herrlichkeit, die uns verheißen ist.
2. Die ängstliche Kreatur (Mensch und Schöpfung) wartet auf das Heil, das offenbar wird.
3. Gott selbst hat ja alle Kreatur der Vergänglichkeit unterworfen – aber auf Hoffnung.
4. Denn die Vergänglichkeit ist nicht das letzte Wort Gottes, sondern des Leibes Erlösung.
5. Und deshalb wird alle Kreatur frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit.

Was die Botschaft des Paulus auszeichnet, ist gerade nicht eine pessimistische Weltuntergangsstimmung. Sein Duktus ist die persönliche Zukunft der Welt! Da erwartet der Apostel Großes vom Gott dem Schöpfer in seinem Sohn Jesus Christus! In diesen Zeilen liegt eine unglaublich tiefgehende Hoffnung, die uns gerade in dieser, für uns schwierigen Zeit, ansprechen kann. Wir spüren bei manchen Menschen Verzweiflung oder Ignoranz. Aber beide Lebenseinstellungen versprechen keine befriedigende Lösung. Und darum möchte ich anknüpfen an Menschen, die ihre schwierigen Lebensumstände, ja selbst den Tod angenommen haben und weiterhin auf die Treue Gottes vertrauten. Dietrich Bonhoeffer sagte kurz vor seinem Tod:
"Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens. Man darf alles in Gottes Hände legen; in diesem Sinne ist der 'Tod die Krönung der Freiheit.“ Und er betete: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag."
Am heutigen Volkstrauertag gedenken wir den Toten der Kriege, der Opfer des Grauens und manches Herz seufzt. Ich habe mir oft die Frage gestellt: Welchen Sinn macht es, angesichts vergangener wie gegenwärtiger und machtvoller Leiden von der Hoffnung in Herrlichkeit zu sprechen? Das bringt mich zu der Frage: Worin besteht eigentlich das Tröstliche? Was ist der Grund aller Hoffnung – auch meiner?
Ich habe keine andere Antwort gefunden als die, dass Christus das Band der Hoffnung ist. Und mit Bonhoeffers Worten kann ich hoffnungsvoll und zuversichtlich beten:
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Lied EG 152

1. Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen; du kommst uns ja zum Segen.

2. Wir warten deiner mit Geduld in unsern Leidenstagen; wir trösten uns, dass du die Schuld am Kreuz hast abgetragen; so können wir nun gern mit dir uns auch zum Kreuz bequemen, bis du es weg wirst nehmen.

3. Wir warten dein; du hast uns ja das Herz schon hingenommen. Du bist uns zwar im Geiste nah, doch sollst du sichtbar kommen; da willst uns du bei dir auch Ruh, bei dir auch Freude geben, bei dir ein herrlich Leben.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg