Geistlicher Impuls, 2. Advent

Geistlicher Impuls zum zweiten Advent

Geistlicher Impuls zum zweiten Advent

Pfarrstelle Evangelisches Stift Freiburg ・Evangelisches Stift Freiburg

Geistlicher Impuls zum zweiten Advent

Eine andere Form des geistlichen Impuls

da es zur Zeit keine Gottesdienste geben darf, möchte ich Ihnen gerne auf diesem Weg einen geistlichen Impuls zum 2. Advent senden, Sie alle herzlich grüßen und Ihnen vor allem Gottes Schutz und Segen wünschen.
 

Ihre Stiftspfarrerin

Ulrike Oehler


 
1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier? O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.
2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.
6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr; seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

Die Frage: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich Dir?“ können wir, besonders in dieser Adventszeit, in der wir auf Weihnachten zugehen, in unserem Herzen bewegen.
Paul Gerhard hat sich dieser Frage im Blick auf die Adventszeit gestellt und zwar 1653 in Mittenwalde, fünf Jahre nach dem 30-jährigen Krieg. Ich bin immer wieder beeindruckt und tief berührt von der zeitlosen Trostkraft der Lieder von Paul Gerhard, die er in einer so schwierigen Zeit geschrieben hat. Sie treffen uns tief in unserer Seele und konfrontieren uns mit Gott und mit uns selbst. Biblische Grundlage für sein Lied ist Sachaja 9,9
Der Prophet Sachaja sagt: Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.
Mit diesen Bildern assoziieren wir gleich den Einzug Jesu in Jerusalem. Uns wird nun die Frage gestellt: Wie kommen wir dem Herrn auf diesem Weg entgegen? Angelus Silesius, ein Zeitgenosse von Paul Gerhard schreibt: “Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir, so bleibst du ewiglich verloren. Soll er dein Heiland sein und dich zu Gott erheben, so musst du nicht sehr weit von seiner Krippe leben.“

Diese Sehnsucht in der Nähe der Krippe zu leben, die Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit, nach dem Ende der Pandemie, wächst in diesen Adventstagen ganz existentiell in uns allen.
Grün sind die Zweige des Adventskranzes, grün ist die Farbe der Hoffnung. Unsere Hoffnung, dass Gott diese Welt nicht aufgibt, sondern uns seinen Sohn zum Heil und zur Rettung schickt. Aller Schmuck, alle Festlichkeit wären vergeblich, wenn er, der Sohn Gottes, nicht käme, um uns die Fackel beizusetzen, uns das Licht seines Advents anzuzünden, um mit Paul Gerhard zu sprechen: „damit was dich ergötze, mir kund und wissen sei.“
Lassen wir diese Frage: „Wie soll ich Dich empfangen und wir begegne ich Dir?“ zu unserer persönlichen Adventsfrage werden.
Lassen wir uns von dieser zeitlosen Trostkraft stäken, die ein Geheimnis bleibt. So können und dürfen wir zuversichtlich und getrost - gerade in dieser besonderen, von der Pandemie geprägten Zeit - auf die Krippe zugehen.
Gebet

Gütiger barmherzige Gott, wir wollen uns mit getrostem und dankbarem Herz auf den Weg zur Krippe machen und auf das Kommen deines Sohnes warten. Komm uns entgegen und festigen unseren Glauben, unserer Hoffnung und Zuversicht, die uns gerade in dieser besonderen Adventszeit schwerfallen. Stärke und festige uns in der Gemeinschaft mit dir und untereinander. Lass uns gemeinsam neu Hoffnung schöpfen aus deiner Zusage, dass Du uns in deinem Sohn entgegenkommst und uns zur Seite stehst.
In diesem Glauben und Vertrauen beten wir:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser Tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Carsten Jacknau

Vorstand des Evangelischen Stift Freiburg